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Weiterleben im Land der Täter. Die Jüdische Kultusgemeinde Gelsenkirchen nach dem Holocaust Vortrag von Stefan Nies, Dortmund/Hamburg, mit anschließender Diskussion
Fast alle der 1.750 jüdischen Einwohnerinnen und Einwohner, die 1933 in Gelsenkirchen gelebt hatten, waren emigriert, vertrieben, deportiert oder ermordet worden, nur sehr wenige hatten sich durch Untertauchen der Verfolgung entziehen können. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus kehrte eine geringe Zahl aus Lagern und unterschiedlichen Zufluchtsorten zurück. Hinzu kamen Juden und Jüdinnen, die während des Nationalsozialismus aus anderen Ländern nach Gelsenkirchen verschleppt worden waren oder die es in den Wirren der Nachkriegszeit nach Gelsenkirchen verschlagen hatte - viele wollten in die USA oder nach Palästina auswandern oder in ihre osteuropäische Heimat zurückkehren. 1946 lebten etwa 70 Juden und Jüdinnen in Gelsenkirchen.
Schon im Sommer 1945 gründeten Überlebende ein jüdisches Hilfskomitee, aus dem schließlich eine neue Kultusgemeinde aufgebaut wurde, die 1958 einen kleinen Betsaal für 80 Gläubige erhielt. Was bedeutete es, in dem Land zu bleiben, von dem der Holocaust ausgegangen war, in einer Gesellschaft, die an die eigene Schuld nicht erinnert werden wollte, und dies, während gleichzeitig nahezu die gesamte jüdische Welt kein Verständnis für ein Weiterleben im Land der Mörder hatte? Der Vortrag zeichnet die Geschichte der kleinen jüdischen Kultusgemeinde in Gelsenkirchen von 1945 bis zu Beginn der 1990er Jahre nach, als sich durch die Einwanderung jüdischer "Kontingentflüchtlinge" aus Osteuropa eine unerwartete Neubelebung ergab.
