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Friedrich Grimm(1888-1959) - Anwalt in politischen Prozessen und Hitlers Kronjurist aus Essen Vortrag von Sebastian Felz; Münster, mit anschließender Diskussion
Der heute fast vergessene Rechtsanwalt Friedrich Grimm trat fast vier Jahrzehnte lang in politischen Prozessen auf. Seine Karriere begann als Rechtsbeistand alliierter Kriegsgefangener im Ersten Weltkrieg. Nach Inkrafttreten des Versailler Vertrags vertrat er die Ruhrindustriellen bei französischen Kriegsgerichtsverfahren. In der Weimarer Republik wurde er berühmt durch die Verteidigung der "Fememörder" aus den Reihen der "Schwarzen Reichswehr". Deren Morde rechtfertigte er als "Staatsnothilfe", eine Rechtsfigur, die sogar das Reichsgericht anerkannte. Dieses Engagement brachte ihn in Kontakt mit Hitler, mit dem er schon vor 1933 die Revisionsmöglichkeiten des Versailler Vertrags diskutierte. Nach der "Machtergreifung" wurde er Reichstagsabgeordneter der NSDAP und Vertreter des NS-Regimes in nationalen und internationalen Prozessen. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Rechtsberater der deutschen Botschaft in Paris. Die braunen Netzwerke wirkten fort über 1945 hinaus.
Grimm verteidigte Kriegsverbrecher wie Werner Best und beteiligte sich an der Kampagne für eine Generalamnestie von NS-Verbrechern. Der Vortrag beschäftigt sich in erster Linie mit der Instrumentalisierung von Prozessen zur Legitimation von politischen Zielen anhand der Fememordprozesse sowie des "Gustloff-Verfahrens" 1936 in der Schweiz.
