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Das Eigentliche Lesung/Gespräch mit Iris Hanika
Das Eigentliche ist – für jeden etwas anderes. Für Hans Frambach sind es die Verbrechen der Nazizeit, an denen er leidet, seit er denken kann. Darum ist er Archivar im Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung geworden; nur fragt er sich, ob es nicht an der Zeit für eine andere Arbeit wäre. Auch für seine beste Freundin Graziela steht die Fassungslosigkeit über diese Vergangenheit im Mittelpunkt – bis sie einen Mann kennenlernt, der sie begehrt, und fortan hält sie die Begegnung der Geschlechter im Fleische für das Eigentliche; ein Konzept, an dem sie nun zweifelt. Aber kann man denn den Nationalsozialismus für alles verantwortlich machen? Eigentlich ist es doch ihre Unfähigkeit zum Glück, die Hans und Graziela zu so wunderlichen Gestalten macht. Nur sie selbst halten ihr Unglück nicht für gott-, sondern für nazigegeben. Zugleich hat auch der Staat, in dem sie leben, sein Eigentliches. Es ist das unausgesetzte Bemühen um Harmlosigkeit seiner Repräsentanten, das allen voran die Bundeskanzlerin vorführt, wenn sie jede Woche übers Internet zu uns spricht. (Verlag Droschl)
»In ihrem Text montiert Hanika in beißender Satire und sich teilweise überschlagender Groteske deutsche Aufarbeitungsrituale. (…) Befreiend.« (Sabine Pamperrien, Jüdische Allgemeine)
Die Autorin (*1962), erhielt 2006 den Hans Fallada-Preis. Das Eigentliche (Roman, 2010) ist ihr jüngstes Buch.
»Iris Hanika ist sowohl eine politische und realistische Erzählerin, gleichzeitig aber auch eine Kunstschriftstellerin, wobei die Kunstschriftstellerin so geschickt getarnt ist, dass man sie beim schnellen Lesen der Texte sogar übersehen kann. Dass uns die Autorin diese Möglichkeit einräumt, gehört zu ihrer Bescheidenheit. Sie muss uns Leser nicht sogleich mit der Nase darauf stoßen, dass wir es hier mit Kunst und vor allem mit Kunst zu tun haben.« (Wilhelm Genazino)
In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der Volkshochschule und TU Dortmund/Fakultät Kulturwissenschaft
