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Zeitzeugen positiv-kritisch würdigen Workshop aus Westfalen bei internationaler Konferenz am Gedenkort Auschwitz auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werkes. KZ-Überlebende aus Belgien und Polen kamen intensiv zu Wort.
Bewusste Zeichen für die Würdigung von Zeitzeugen setzte Stefan Querl
aus dem Team des Geschichtsortes Villa ten Hompel der Stadt Münster
jetzt im polnischen Oświęcim. Am KZ-Gedenkort Auschwitz trug der
38-Jährige auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werkes in einem eigenen
Geschichtsworkshop vor. Die katholische Institution betreut seit 40
Jahren von Freiburg im Breisgau aus Überlebende aus KZ, Gefängnissen und
aus Ghettos.
In der internationalen Begegnung von Historikern,
Lehrkräften und Fachleuten aus Polen, Ungarn, Belarus, Russland, aus
der Ukraine und Deutschland berichtete Querl gezielt von Erfahrungen mit
Zeitzeugen-Besuchsreisen, Versöhnungsansätzen und konkreten
Seminarangeboten. "Es steht und fällt mit guter Vorbereitung",
appellierte er an die Multiplikatoren aus den west-, mittel- und
osteuropäischen Nationen. "Obschon wir alle die anstreben, bleiben diese
Projekte stets sensibel und störanfällig." Es gebe schließlich arge
"Erinnerungskonkurrenzen" in Europa.
Der stellvertretende Leiter der Villa ten Hompel wies präventiv auf
häufige Stolperfallen, "Fettnäpfchen", Konflikte, Problemlagen in
generationsübergreifenden Gesprächen mit Gruppen hin. Er plädierte für
einen positiv-kritischen Umgang mit Aussagen von Zeitzeugen, vor allem
für Zuhören als die "wirklich wichtigste" Technologie der
Geschichtswissenschaft und Gedenkkultur.
Als Ehrengäste kamen frühere NS-Verfolgte bei der Konferenz intensiv zu
Wort: So die Tochter eines polnischen Widerstandskämpfers, Zdzisława
Włodarczyk, und die jüdische Zeitzeugin Henriette Kretz aus Antwerpen
in Belgien sowie der 87-jährige Jacek Zieliniewicz, der von Folterqualen
in Auschwitz und im KZ Natzweiler-Struthof berichtete. "In schlimmsten
Zeiten wog ich noch 38 Kilogramm", schilderte Zieliniewicz, der sich in
einer Selbsthilfegruppe ehemaliger Häftlinge engagiert. Einige der hoch
betagten Gäste ließen es sich nicht nehmen, mit der Seminargruppe das
Gelände der Gedenkstätte Auschwitz sowie die Rampe in Birkenau zu
besuchen und vor Ort zu sprechen. "Das sind Momente, die im Gedächtnis
haften bleiben", waren sich alle Anwesenden einig.
