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Zwischen Ablehnung und Akzeptanz: 1898 bis 1933

1898
Hermann Zivi wird als Kantor nach Elberfeld berufen und versieht dieses Amt dort länger als 30 Jahre. Gründung des Synagogenchorvereins.

1899
Der Schächter und Gemeindediener Josef Rindskopf ist Ehren-Präses der Solinger Mundarttheater-„Gesellschaft Wohlgemuth“.

1902
Die erste ostjüdische Familie, Jakob und Rose Andermann aus Bucacz, zieht nach Remscheid.
Anlage einer elektrischen Beleuchtung des Vorplatzes der Solinger Synagoge.
Nach dem Stadtbrand in Radevormwald spenden die Mülheimer Juden für die notleidende Bevölkerung.

1904
Um diese Zeit existiert in Elberfeld ein zionistischer Herzlverein, der jedoch kaum oder nur mit Verachtung der meisten jüdischen Gemeindemitglieder zur Kenntnis genommen wird.
Die Langenberger Synagoge wird nur noch an den hohen Feiertagen genutzt. An den anderen Tagen gehen die wenigen Langenberger Juden in die Synagoge in Hattingen.

1905
Der Hals-Nase-Ohrenarzt Dr. Eugen Rappoport wird Theaterarzt am Stadttheater in Barmen.

1906
Die Repräsentantenversammlung der Synagogen-Gemeinde Solingen stiftet aus Anlass der Goldhochzeit von Gustav Coppel ein neues Harmonium für die Synagoge. Als Organistin wird auf Empfehlung des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Solingen Helene Sternsdorff angestellt. Das Ehepaar Coppel stiftet der Stadt Solingen 40.000 Mark für gemeinnützige Zwecke.

1907
Der erste bedeutende Rabbiner von Elberfeld, Dr. Zacharias Auerbach, geht nach 41 Dienstjahren in den Ruhestand. Am 6. September tritt sein Nachfolger Rabbiner Dr. Joseph Norden sein Amt an.

1908
Gründung eines jüdischen Frauenbundes in Remscheid.

1910
Anlässlich der 300-Jahrfeier der Stadt Elberfeld veröffentlicht Rabbiner Dr. Joseph Norden einen kurzen Bericht über die Entstehung der Jüdischen Gemeinde.
Aus Anlass des 80. Geburtstags des geheimen Kommerzienrates Gustav Coppel führt die Synagogen-Gemeinde Solingen ein eigenes Gesangbuch ein, das auch eine Vertonung von Versen des 30. Psalms durch Helene Sternsdorff enthält.
Zwischen 1910 und 1920 soll sich in Velbert im Hause Hüttenmeister an der Offerstraße 27 ein Betraum befunden haben.

1912
Einweihung des Coppelstifts, der Keimzelle des Solinger Jugend- und Gesundheitsamtes. Den Löwenanteil zur Errichtung haben die Spenden der Familie Coppel seit 1906 bestritten (mehr als 100.000 Mark).

1913
In Köln konvertiert Elias Peres, der in Radevormwald am Taufunterricht teilgenommen hat, zum evangelischen Glauben.
Einweihung des Elberfelder jüdischen Altersheims an der Königstraße 73 (heute Friedrich-Ebert-Straße 73) auf Initiative des Stadtverordneten und Gemeindemitglieds Max Simon.

1913/14
Bau der Kapelle auf dem Friedhof der Solinger Gemeinde.

1914
Tod des langjährigen Vorsitzenden des Vorstands der Synagogen-Gemeinde Solingen, des Geheimen Kommerzienrats Gustav Coppel, am 25. Dezember. Er war der erste Stadtverordnete jüdischen Glaubens in Solingen und ebenfalls der erste Beigeordnete jüdischen Glaubens.
Im Wuppertal verlangen die Bürger ein erneutes Niederlassungsverbot für Juden.
Ein erster Privatminjan entsteht im Kreise ostjüdischer Männer in Remscheid.

1915
Von 1900 bis 1915 steigt die Zahl der Ostjuden in Remscheid auf 40 bis 45 Personen.

1916
Dokumente belegen die Existenz eines „Jüdischen Jugendvereins Remscheid“. Außerdem gibt es den „Jüdischen Turn- und Sportverein Bar Kochba Remscheid“, einen Jüdischen Frauenverein und einen örtlichen Verband des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“.

1918
Im Ersten Weltkrieg sind aus Barmen neun, als Elberfeld 34, aus Remscheid fünf und aus Solingen sieben jüdische Soldaten gefallen.

1920
In Remscheid wir der „Israelitische Wohlfahrtsverein“ gegründet (bis 1923), der auch eine “Chewra Kaddischa“ (Beerdigungsbruderschaft) umfasst. Der Verein plant außerdem den Bau einer Remscheider Synagoge: „Mindestens 2/3 des Vereinsvermögens wird nach Jahresabschluss zur späteren Gründung einer hiesigen Synagogengemeinde zurückgelegt“ (§ 11 der Satzung).

1921
Als einzige ostjüdische Familie Remscheids werden die Andermanns eingebürgert.

1924
Anlage einer modernen Zentralheizung anstelle der alten Gasöfen in der Solinger Synagoge.

1924/25
Der spätere Filmregisseur Max Ophüls arbeitet als Regisseur, Schauspieler und Bühnenbildner am „Vereinigten Stadttheater Barmen-Elberfeld“.

1925
In Remscheid leben 229 Juden, in Lennep 32 und in Lüttringhausen drei. 128 Ostjuden leben in Remscheid, 56 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung Remscheids.
In Velbert wird ein „Jüdischer Männer-Verein“ gegründet, dessen Zweck unter anderem die Förderung des Baus einer Synagoge ist. Sie soll an der Mühlenstraße, heute Kölnerstraße, erbaut werden.

1927
Die Synagoge in Langenberg wird verkauft.

1928
Einstellung von Rabbiner Dr. Alfred Philipp als Jugendrabbiner in Elberfeld. In dieser Zeit wird Moses Findling Rabbiner der orthodoxen und Vorbeter der ostjüdischen Gemeinde in Elberfeld.
Der Betraum der Ostjuden von Elberfeld ist zunächst an der Hochstraße, später an der Luisenstraße, wo sich auch der Betsaal der Orthodoxen befindet.
In Remscheid Anmietung eines Betsaals mit einzigartigen Ausmalungen von Heinrich Mandelbaum in der Bismarckstraße hinter dem damaligen Volkshaus.

1929
Die baufällige Synagoge in Neviges, Hölzerstraße, wird abgerissen. Die wenigen noch in Neviges lebenden Juden besuchen die Elberfelder Synagoge.

1930
Dr. Lothar Lubasch wird der dritte Rabbiner in Barmen.

1933
In Wuppertal leben 2.471 Juden, in Remscheid 273, in Solingen 217, in Heiligenhaus 24, in Wülfrath vier.
Oswald Laufer, Jude und sozialdemokratischer Angehöriger des „Reichsbanners“, wird vor seinem Elternhaus in der Elberfelder Wilhelmstraße von einem SA-Mann erschossen.
In Remscheid wird eine Ortsgruppe der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ und eine des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“ gegründet.
Nach dem Tod des seit 49 amtierenden Lehrers und Vorbeters der Solinger Synagogen-Gemeinde, Max Joseph, nimmt der Solinger Sängerbund an dessen Begräbnis teil.