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Wissenswertes Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945

Historischer Hintergrund

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Himmler 1937 mit NSDAP-Reichsorganisationsleiter Ley unterhalb der Wewelsburg (alle Abbildungen Fotoarchiv KMW)

Ab 1933 plante der "Reichsführer SS", Heinrich Himmler, ein ideologisches Zentrum für seine Schutzstaffel in der Wewelsburg, einem dreischenkligen Weserrenaissanceschloss im gleichnamigen Ort, einzurichten. Zunächst als Schulungsstätte für SS-Offiziere gedacht, wurden im Verlaufe der 1930er Jahre Maßnahmen ergriffen, welche die Wewelsburg mehr und mehr in eine abgeschottete, zentrale Versammlungsstätte für die höchsten SS-Offiziere umformen sollten. Der Putz wurde abgeschlagen und der Graben vertieft, damit das Schloss trutziger, "burgenähnlicher" wirkte. Nordische Symbole und Ornamentik prägten bald die Innenräume der Wewelsburg.

Himmler verweilte immer wieder - alleine oder mit Gästen - in Wewelsburg. Er kündigte an, jährliche Gruppenführertreffen - also Zusammenkünfte der ranghöchsten SS-Offiziere - auf der Wewelsburg abhalten zu wollen. Ebenso sollten hier Vereidigungsfeiern stattfinden.


Gruppenführertreffen 1941

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Gruppenführertreffen im Juni 1941 auf der Wewelsburg, u.a. mit Reinhard Heydrich (l.)

Die Stellung der Wewelsburg als ideologischer Versammlungsstätte wird unterstrichen durch das Gruppenführertreffen vom 12. bis 15. Juni 1941. Eine gute Woche vor Beginn des Krieges gegen Sowjetunion versammelte Heinrich Himmler hier die höchsten SS-Offiziere, die an der Planung des SS-Einsatzes beim Überfall auf die Sowjetunion beteiligt waren. Anwesend waren unter anderen Reinhard Heydrich (Chef des Reichssicherheitshauptamts), Kurt Daluege (Chef der Ordnungspolizei) und Karl Wolff (Chef des Persönlichen Stabes von Himmler). Ebenfalls anwesend waren die für den Einsatz in der Sowjetunion vorgesehenen Friedrich Jeckeln, Erich von dem Bach-Zelewski und Adolf Prützmann sowie weitere zuständige SS-Offiziere. Konkrete Entscheidungen wurden nicht mehr getroffen, Detailabsprachen fanden nicht mehr statt. Während der Besprechungen ging bereits der konkrete Angriffsbeginn aus Berlin ein. Vielmehr wurde das Treffen noch einmal genutzt, um sich weltanschaulich auf den "Vernichtungskampf" einzustellen und sich in der weltanschaulich anheimelnden Atmosphäre zu sammeln. Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess nach dem Krieg erinnerte sich Bach-Zelewski, Himmler habe in einer Rede bei dem Gruppenführertreffen auf der Wewelsburg den Zweck des Russlandfeldzuges mit der "Dezimierung der slawischen Rasse um dreißig Millionen" angegeben.


Einrichtung eines Konzentrationslagers

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Himmler (r.) mit Bartels in Wewelsburg, in der Mitte der Bauunternehmer Scherpeltz

Die Wewelsburg entwickelte sich im Zuge ihrer Verwendung als zentrale SS-Versammlungs- und Ideologiestätte zum Gegenstand weitreichender architektonischer Pläne. Je größer die Macht der SS im Deutschen Reich wurde, umso monumentaler wurden die Bau-Absichten. Eine gigantische Burganlage sollte in Wewelsburg entstehen, das "Reichshaus der SS-Gruppenführer", entworfen vom Münsteraner Architekten Hermann Bartels in enger Absprache mit Himmler.

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Nachkriegsaufnahme des KZ Niederhagen-Wewelsburg, Blick auf das Torhaus und einen Wachturm

Umgesetzt werden sollten diese Pläne von Häftlingen eines extra für die Bauzwecke eingerichteten Konzentrationslagers in Wewelsburg. Dieses rangierte ab 1941 als eigenständiges Hauptlager auf einer organisatorischen Stufe mit Lagern wie Buchenwald, Sachsenhausen oder Dachau.

Farbiger historisches Bauplan, in dem die großen Ausmaße des Projekts deutlich werden

Bauplan für die SS-Burganlage in Wewelsburg, 1944

Die Pläne für die Burganlage sahen einen mehrere hundert Meter weiten Radius aus Gebäuden und Wällen vor. Mittelpunkt dieses Dreiviertelkreises sollte der Nordturm der Wewelsburg sein. Über 3.900 Häftlinge des KZ Niederhagen-Wewelsburg wurden zur Umsetzung dieser und weiterer Bauvorhaben zur Arbeit gezwungen. Mindestens 1.285 Menschen fanden vor Ort infolge der Arbeits- und Haftbedingungen sowie Misshandlungen und Willkür durch die SS-Wachmannschaften den Tod. Das Konzentrationslager in Wewelsburg war aber auch Exekutionsort der Gestapo. Mindestens 56 Menschen wurden auf dem Lagergelände oder einem unweit im Wald gelegenen Schießstand der SS ermordet.

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"Obergruppenführersaal" im Nordturm der Wewelsburg

Nach der Niederlage von Stalingrad wurde ein Baustopp verfügt und das Konzentrationslager bis auf ein 42-Mann starkes Restkommando aufgelöst. Obwohl Architekt Hermann Bartels weiterhin Baupläne entwarf, wurde die riesenhafte Burganlage folglich nicht fertig gestellt. 1945 befreiten amerikanische Soldaten das KZ-Restkommando, nachdem eine SS-Einheit noch erfolglos versucht hatte, die Wewelsburg dem Erdboden gleich zu machen.

Als bauliche Überreste der NS-Architektur sind heute zwei Räume im Nordturm der Wewelsburg erhalten geblieben und auch Teil des Ausstellungsrundgangs: Die "Gruft" und der "Obergruppenführersaal". Über den geplanten Verwendungszweck liegen keine gesicherten Angaben vor. Ein Bodenornament aus dem "Obergruppenführersaal" ist seit den 1990er Jahren in rechten Kreisen zu einem Erkennungszeichen stilisiert worden.