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Besucherinformationen Geschichtswerkstatt Französische Kapelle

Französische Kapelle des Oflag VI A in der Colonel BEM-Adam Kaserne zu Soest. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Internetseite unter www.franzkapellesoest.de.

Öffnungszeiten / Führungen

Jeden 3. Sonntag im Monat um 14.00 Uhr (Treffpunkt Kasernentor Meiningser Weg 20) sowie auf Anfrage. Kosten der öffentlichen Führungen: 2,50 €/Person (ermäßigt 1,50 €). Gruppenführungen: 50,00 € (max. 30 Personen).

So finden Sie uns

Ab Bahnhof ca. 25 Minuten zu Fuß. Mit dem Bus Linie 646 vom Bahnhof bis zur Haltestelle Märkische Straße. Mit dem Auto auf der B 1 in Richtung Werl > Zufahrt Clevische Straße. Autobahn A 44 Abfahrt Soest/Möhnesee, Richtung Soest, 1. Ampel links, 2. Ampel rechts = Meiningser Weg.

Ort des Erinnerns, der Begegnung und der Kultur

Am 25. Dezember 1940 weihten französische Geistliche eine Kapelle in einem von französischen Künstlern in etwas mehr als drei Monaten ausgestalteten Raum in einem Mannschaftsblock des Oflag VI A (1. Offizierslager im Wehrbereich VI) in Soest ein. Hier waren mehr als 2.000 französische Offiziere seit dem 31. Juli 1940 als Kriegsgefangene untergebracht. Der Kapellenraum diente nicht nur der Aufbewahrung des Altarsakraments, er war auch der Kristallisationspunkt für die persönliche und nationale Identität der Gefangenen.

Offiziere durften gemäß Genfer Konvention in der Kriegsgefangenschaft nicht zur Arbeit herangezogen werden. Sie waren daher gezwungen, ihren Lageralltag selbst zu gestalten. In den fünf Jahren, die die in Soest gefangen gehaltenen Offiziere von der Außenwelt abgeschnitten waren, entwickelten sie unbeachtet von der Soester Bevölkerung innerhalb des Lagers ein besonders lebhaftes Geistes- und Kulturleben. Das religiöse Zentrum der katholischen Gläubigen wurde – auch durch das Werk der beiden Künstler Guillaume Gillet und René Coulon - der Gebetsraum, der auch heute noch ein Kunstwerk der besonderen Art ist, dessen Bedeutung weit über die Stadtgrenzen Soest hinaus reicht.

Nach der Befreiung der französischen Gefangenen am 06. April 1945 diente der Kasernenkomplex etwa ein Jahr lang als Lager für „displaced persons“, von 1946 bis 1951 zur Unterbringung von Vertriebenen aus Schlesien und anschließend bis 1994 als Kaserne für belgische Truppen.

Angeregt durch ein starkes öffentliches Interesse anlässlich des Tages des offenen Denkmals 1995 gründete sich im Juni 1997 die „Geschichtswerkstatt Französische Kapelle e. V.“, die sich zum Ziel setzte, 60 Jahre Kasernengeschichte aufzuarbeiten, für die Besucher erlebbar zu machen und somit einen wichtigen Beitrag zur Stadtgeschichte zu leisten.

Die Besonderheit der Gedenkstätte besteht darin, Menschen über ein Kunstwerk an die jüngere Geschichte heranzuführen. Die Ausgestaltung der Kapelle vermittelt einen so unmittelbaren Eindruck vom Leben der Kriegsgefangenen, dass sich Fragen nach dem Hintergrund wie von selbst stellen. Die Geschichtswerkstatt erforscht diese Hintergründe, knüpft Kontakte zu ehemaligen Kriegsgefangenen und setzt sich für eine Erhaltung der Anlage als Ort der Erinnerung, der Begegnung und der Kultur auf einem authentischen Areal der Lokalgeschichte ein.