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Das Gespür für die Gefahr von rechts wächst Ein mehrjähriger "Multidimensionaler Erinnerungsmonitor" fühlt am Puls der Gesellschaft zum Geschichtsbewusstsein und zu ihren Gegenwartsfragen: Villa ten Hompel begleitete den Diskussionsprozess für die dritte repräsentative Studie namens MEMO an der Uni Bielefeld mit.

Verfasst am 13. Mai 2020

In der deutschen Gesellschaft finden sich teils deutlich verzerrte Perspektiven auf die Zeit des Nationalsozialismus. So lautet ein wesentliches Ergebnis der Studie „MEMO Deutschland – Multidimensionaler Erinnerungsmonitor“ des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld. Die repräsentative Befragung unter 1.000 Personen wird seit drei Jahren von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ) unterstützt. Rat und Erfahrungsberichte zur Planung der jüngste Befragung, im Fortlauf "MEMO III" genannt, gab es in einem intensiven Diskussionsprozess u.a. aus der Villa ten Hompel. So war der Geschichtsort mit Gedenkstätten, Fachleuten und Forschungsinstitutionen für die Debatte über die Fragestellungen und das Forschungsdesign ausgewählt worden: "Our critical friends", wie sich Institutsleiter Prof. Dr. Andreas Zick mit Dr. Jonas Rees, Michael Papendick, Franziska Wäschle aus seinem Forschungsteam dankend ausdrückte. In der Endfassung finden sich u.a. externe Einordnungen als Statements von Prof. Dr. Doron Kiesel, Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland, von Stefan Querl als dem stellvertretenden Leiter der Villa ten Hompel und von Dr. Tobias Freimüller vom Frankfurter Fritz Bauer Institut. Schwerpunkte der Studie lagen auch darauf, wie die Befragten das Ende des Zweiten Weltkriegs, das sich zum 75. Mal jährte, rückblickend einordnen und bezeichnen würden oder ob Gegenwärtiges in Politik oder Parlamenten mit Phasen in der Weimarer Republik zu vergleichen sei. Analysiert wurden u.a. Gemeinsamkeiten und Unterschiede von empirischen wie historischen Befunden. Oder auch Beobachtungen aus der Vermittlungspraxis an den NS-Gedenkorten – so wächst laut Studie das feine gesellschaftliche Gespür für Gefahren von rechts, wobei, so Stefan Querl kritisch, diese "zunehmende Wachsamkeit", beispielsweise nach den Anschlägen von Halle und Hanau, leider auch mit enorm "viel Ratlosigkeit" einhergehe. Was genau die verzerrten Perspektiven auf die NS-Zeit als akutes Problem noch verstärke. Mehr zu Memo III, den Fragen und dem Volltext der neuen Studie:

https://www.stiftung-evz.de/fileadmin/user_upload/EVZ_Uploads/Publikationen/Studien/EVZ_Studie_MEMO_2020_dt_Endfassung.pdf

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