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Horst-Konejung-Preis für Dr. Karola Fings Konejung-Stiftung ehrt die stellvertretende Leiterin des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln für ihre Forschungsarbeiten

Verfasst am 22. Mai 2006

Dr. Karola Fings habe sich mit ihren Forschungen vor allem "vergessenen Verfolgten", etwa Sinti und Roma oder Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, zugewandt, so die Begründung der „Konejung-Stiftung:Kultur“. Für ihren Einsatz in Forschung und Bildung erhielt die stellvertretende Direktorin des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln am 14. Mai 2006 den Horst-Konejung-Preis. In ihrer 2005 erschienenen Dissertation "Krieg, Gesellschaft und KZ: Himmlers SS-Baubrigaden" untersuchte die Historikerin das Verhältnis der Umgebungsgesellschaft zu den Konzentrationslagern – ein besonders lange tabuisiertes Thema.

„Darin gelingt es ihr, die Grauzonen der Täter- und Mittäterschaft in der deutschen Kriegsgesellschaft nachzuzeichnen, und damit das überlieferte Selbstbild einer Gesellschaft, die bei den Verbrechen der Nationalsozialisten immer nur daneben gestanden habe, zu demontieren“, lobt die Stiftung Fings Dissertation. In ihren lokal- und regionalhistorisch ausgerichteten Arbeiten verbinde Karola Fings wissenschaftliche Forschung mit Bildungsarbeit für unterschiedliche Zielgruppen und konkreter Unterstützung für Überlebende. Geschichte werde als Bestandteil einer aktiven und kritischen Erinnerungskultur betrieben, die das Individuum nicht aus der Verantwortung entlasse.

In ihrer Dankesrede beleuchtete die Preisträgerin hinterfragend und kritisch die vielschichtigen Perspektiven, mit der diese Auszeichnung für sie verbunden war. Auch nutzte sie ihre Rede, um vor einem „Jahrmarkt der Beliebigkeiten“ in der lokal- und regionalgeschichtlichen Geschichtsaufarbeitung zu warnen. Dies bedeute auch, eben nicht den Stimmen der Vergangenheit, die am lautesten gebrüllt und sich am eindringlichsten in die Erinnerungen eingeschrieben haben, zu trauen. „Vielmehr müssen gerade diejenigen hörbar gemacht werden, denen die Stimme - oft genug für immer - geraubt wurde, als sie im nationalen Kanon als Dissonanzen auftraten“, so die Preisträgerin.

Zum zweiten Mal verleiht die „Konejung-Stiftung:Kultur“ den jährlichen Horst-Konejung-Preis an Personen oder Institutionen, die sich der Aufarbeitung der lokalen Geschichte im europäischen Kontext widmen.

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