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Neue Gedenkstätte: Große Anerkennung für Hemers Zeitgeschichtler Die Informations- und Gedenkstätte „Stalag VI A Hemer” ist am Sonntag im Gebäude 15 der Landesgartenschau eröffnet worden. Große Anerkennung gab es für Hemers Zeitgeschichtler.

Verfasst am 21. März 2010

Die Stadt sei diesem Verein zu großem Dank verpflichtet, sagte Bürgermeister Esken in seinem Grußwort: „Hier hat sich etwas entwickelt, was unser Gemeinwesen auszeichnet.” Der Landesgarten-„Zauber der Verwandlung” könne vor der Vorgeschichte des Geländes nicht halt machen.

Die Hemeraner Erinnerung an das wohl größte Kriegsgefangenenlager auf deutschem Boden im Zweiten Weltkrieg sei der Zukunft zugewandt, erklärte Dr. Helmut Knirim. Der Leiter des Münsterschen Museumsamtes erklärte die Zuwendung aus dem LWL-Fördertopf „Heimatstube”, den man im Verein der Zeitgeschichtler als unpassend empfunden hatte. Heimat klinge altmodisch und unpassend in einer grenzenlos vernetzten Welt, so Knirim, und anrüchig in Deutschland. Heimat sei eine ewige Baustelle, die Geschichte sein könne, zitierte er Richard von Weizsäcker; so könne Historie eine kritische Form der Heimatpflege sein.

Dr. Norbert Reichling vom Bildungswerk der Humanistischen Union NRW erinnerte als Festredner daran, dass es im Rheinland und in Westfalen keine großen NS-Lager gegeben habe, aber heute eine Vielzahl kleiner Gedenkstätten vorhanden sei, die Schwerpunkte setzen. Der Schwerpunkt hier sei die Erinnerung ans Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen, die zu 58 Prozent ums Leben gekommen seien. In Westdeutschland sei die Erinnerung an die Opfer der Sowjetunion lange unterrepräsentiert gewesen, mitverursacht durch die deutsche Teilung und den kalten Krieg. In dieser rassistischen Ausblendung von NS-Opfern sehe er „eine Schuld unserer Gesellschaft, mit der wir uns noch auseinander zu setzen haben”, sagte Reichling. Erst zu Beginn der 80er Jahre habe man sich neu mit NS-Verbrechen befasst, und allmählich sei es „eine Schande geworden, über Schandtaten nicht sprechen zu dürfen”. Wenn aber gefordert werde, einen Schlusstrich unter die Vergangenheitsbewältigung zu ziehen, seien solche Kräfte eindeutig von gestern: „Und ihre Fantasien zerschellen an diesen Gedenkstätten!”. An der Stätte in Hemer habe Sachlichkeit klaren Vorrang, hier sei auch Konversion zu besichtigen. Die Stalag-VI-A-Informations- und Gedenkstätte sei ein integrativer Bestandteil der Landesgartenschau, ergriff noch mal Hans-Hermann Stopsack als Vorsitzender der Zeitgeschichtler das Wort. Das LGS-Motto vom „Zauber der Verwandlung” treffe wohl besonders, „wenn jemand die Stätte der schrecklichen Erinnerungen verlässt und in die Schönheit der Landesgartenschau eintaucht.”

Es gab den besten Andrang zur Einweihungsfeier, die von Klarissa Tomczak und Anna Milinewitsch mit schöner Flötenmusik umrahmt wurde. Einen guten Imbiss spendierte die Bäckerei Uhlenküken den Gästen der Zeitgeschichtler.


Quelle: Der Westen vom 21.03.2010

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