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Wissenswertes Entstehung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Vom Polizeipräsidium zum Erinnerungsort:

Haus- und Entstehungsgeschichte der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde vorgeschlagen, eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in Düsseldorf zu errichten. Beschlossen wurde zunächst die Errichtung eines zentralen Mahnmals, das aber erst im November 1958 am Nordfriedhof enthüllt wurde und nun zugleich dem Gedenken an „die Opfer des politischen Terrors“, „die Opfer des Krieges und der Gefangenschaft“ und der „Flüchtlinge und Heimatvertriebenen“ dienen sollte: Die „drei Nornen“ des Künstlers Jupp Rübsam versinnbildlichen dieses Gedenken. Die Forderung nach einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus blieb jedoch bestehen.

Infolge des Prozesses gegen ehemalige Angehörige der Kommandantur und der Wachmannschaften des Konzentrationslagers Majdanek, die 1975 bis 1981 vor dem Landgericht Düsseldorf stattfanden, wurden die Überlegungen, eine zentrale Gedenkstätte einzurichten, von Jugendverbänden, Organisationen der Verfolgten, Kirchengemeinden und der Jüdischen Gemeinde wieder aufgegriffen. Als historischer Ort wurde zunächst ein Gebäude im Ortsteil Gerresheim vorgeschlagen, das der dortigen jüdischen Gemeinde von 1875 bis 1909 als Synagoge gedient hatte und Anfang der achtziger Jahre abgerissen werden sollte.

Die Forderung nach einer Gedenkstätte veranlasste den Düsseldorfer Stadtrat, eine Liste von Gebäuden und Örtlichkeiten zu erstellen, die für die nationalsozialistische Verfolgung in der Stadt von Bedeutung waren, und dort schließlich Mitte 1984 Gedenktafeln anbringen zu lassen. Bereits am 25. Februar 1984 war die ehemalige Synagoge in Gerresheim aber von zwei Jugendlichen mit antisemitischen Parolen beschmiert und in Brand gesetzt worden. Die Synagoge wurde daraufhin abgerissen.

Insbesondere der Jugendring Düsseldorf hielt die Forderung nach einer Gedenkstätte, die sich an einem historischen Ort befinden sollte, aufrecht und machte den Vorschlag, diese in der Reuterkaserne in der Düsseldorfer Altstadt unterzubringen. Dorthin waren im Jahre 1933 zahlreiche politische Gegner verschleppt und schwer gefoltert worden.

Das historische Stadthaus an der Mühlenstraße

Am 17. Juli 1986 wurde schließlich von allen im Rat vertretenen Parteien beschlossen, im historischen Stadthaus an der Mühlenstraße 29 eine Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus einzurichten. Das Gebäude erschien geeignet und zentral gelegen, es sollte dem Gedenken an die Opfer einen würdevollen Rahmen verleihen. Direkt gegenüber war zwischen 1913 und 2010 das Landgericht Düsseldorf angesiedelt, wo der Majdanek-Prozess stattgefunden hatte – auch diese Verbindung sprach deutlich für den Standort Stadthaus. Das Institut und die ständige Ausstellung „Verfolgung und Widerstand in Düsseldorf 1933 - 1945" wurden am 17. September 1987 eröffnet.

Das denkmalgeschützte Gebäude inmitten der Altstadt war seit dem Ende des 17. Jahrhunderts durch den Jesuitenorden errichtet worden; es wurde mehrfach um- und ausgebaut, bis es in den Besitz der preußischen Bezirksregierung und schließlich der Stadt Düsseldorf gekommen war. 1926 wurde hier das staatliche Polizeipräsidium eingerichtet.

Im Stadthaus war während der ersten Monate des Nationalsozialismus noch das staatliche Polizeipräsidium untergebracht. Zahlreiche Menschen, vor allem aus dem politischen Widerstand, wurden hier in den ersten Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme festgehalten, verhört und drangsaliert. Seit April 1933 entwickelte sich innerhalb des Präsidiums auch die Staatspolizeistelle Düsseldorf (Gestapo), die für den gesamten Regierungsbezirk zuständig war und die in der Region zu den zentralen und gefürchteten Terrorinstrumenten der NS-Machthaber zählte. Der am 1. Mai 1933 eingesetzte Polizeipräsident, SS-Gruppenführer Fritz Weitzel, und die berüchtigte „Hilfspolizei“ verbreiteten aus dem Präsidium heraus ihren Terror gegen politische Gegner, aber auch recht bald gegen Juden, die Düsseldorfer Sinti, gegen die Homosexuellen in der Stadt oder viele andere Gruppen und Einzelpersonen. Doch SS, Polizei und Behördenapparat waren nicht die alleinigen Schuldtragenden am Unrecht und an den Verbrechen der NS-Zeit. Viele Bürokraten und „Schreibtischtäter“ waren auf Mithilfe und Hinweise, Denunziationen und Anzeigen aus der Bevölkerung angewiesen, ohne die Unterstützung der Düsseldorfer Bürger hätte das Unterdrückungssystem nicht funktioniert.

Das Präsidium zog bis April 1934 aus dem Stadthaus aus, die 20. SS-Standarte, die Heeresstandortverwaltung und das Wehrbezirkskommando bezogen nach und nach die leerstehenden Büros. Auch einige städtische Behörden, wie das Amt für Statistik und Wahlen, das Liegenschaftsamt, das Stadtpolizeiamt und das Zentralarbeiteramt kamen nun in dem Gebäudekomplex unter. Alle diese Institutionen waren jeweils in ihrem Tätigkeitsbereich auch mehr oder weniger an der Verfolgung von politischen Gegnern, so genannten „Asozialen“, Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Zwangsarbeitern, psychisch Kranken und angeblichen „Deserteuren“ beteiligt. Im Keller wurden bei Kriegsbeginn öffentliche Luftschutzräume errichtet, deren Reste noch heute sichtbarer Teil der Gedenkstätte sind.

Seit dem 1. Februar 2011 ist die Dauerausstellung wegen Umbauarbeiten am historischen Stadthaus geschlossen. Die Mahn- und Gedenkstätte wird auch zukünftig im Stadthaus bleiben, jedoch eine modernisierte Dauerausstellung erhalten. An den Plänen für eine Neukonzeption wird intensiv gearbeitet. Ein Datum für die Wiedereröffnung kann heute noch nicht genannt werden.