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Die Verfolgung der Düsseldorfer Sinti und Roma Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde in der nationalsozialistischen Düsseldorfer Tageszeitung "Volksparole" angekündigt, dass es nun nicht mehr lange dauern werde, bis es den "Zigeunerscharen" verboten würde, in der Stadt ihr Lager aufzuschlagen. In der Tat wurden umgehend Maßnahmen mit dem Ziel ergriffen, Sinti und Roma von privaten Stellplätzen zu vertreiben. Im Juli 1937 erging dann der Befehl an alle Polizeireviere, Sinti und Roma genau zu erfassen, um sie im gerade fertiggestellten Zigeunerlager Höherweg zu internieren.

"Noch bevor die Synagogen aufloderten, waren die Zigeunerfamilien hinter den Gittern des Stacheldrahts zusammengepfercht", kommentierte der bekannte Düsseldorfer Künstler Otto Pankok (1893-1966) diese Maßnahme. Durchschnittlich sieben Personen mussten sich im Zigeunerlager einen mit von außen verriegelbaren Eisentüren und vergitterten Fenstern versehenen Raum von nur 20 Quadratmetern teilen. Ganz besonders litten die etwa 200 dort Internierten unter der Brutalität des in einer Wachbaracke lebenden Polizei-Aufsehers.

Die Sinti und Roma, die als selbständige Handwerker, Händler oder Musiker gelebt hatten, wurden schon kurz nach der Machtübernahme zu Zwangsarbeit herangezogen. Das "Zigeunerlager" diente aber nicht nur als Arbeitskräftereservoir. Durch ihre Konzentration wurde auch die Erfassung der Sinti und Roma durch die 1936 gegründete "Rassenhygienische Forschungsstelle" begünstigt. Diese hatte sich zum Ziel gesetzt, die "biologische Bedingtheit von Asozialität" nachzuweisen und dazu die "Zigeunerfrage als erstes und am ehesten lösbares Teilproblem in Angriff genommen". Die den Sinti und Roma nach Kriegsbeginn 1939 erteilte Auflage, ihren Aufenthaltsort nicht mehr zu verlassen, wurde von der "Forschungsstelle" als besondere Förderung ihrer Arbeit "gewürdigt". Sie beschleunigte nun ihre Arbeit, "um für die in Kürze zu erwartenden einschneidenden Maßnahmen die Unterlagen bereitstellen zu können."

Welcher Art diese "Maßnahmen" sein sollten, erfuhren die Sinti und Roma recht drastisch in den Morgenstunden des 16. Mai 1940: Polizeifahrzeuge fuhren auf das Lagergelände, anhand einer vorgefertigten Liste wurden 130 Insassen auf Lastwagen verladen und nach Köln gebracht, wo die Düsseldorfer zusammen mit Sinti und Roma aus dem übrigen Rheinland in bereitstehende Viehwaggons getrieben und in das besetzte Polen deportiert wurden, um dort in Ghettos und Lagern eingesperrt zu werden. Am 10. März 1943 wurde das Zigeunerlager dann erneut von Bewaffneten umstellt und der größte Teil der verbliebenen Insassen in das neu errichtete "Zigeunerfamilienlager Auschwitz-Birkenau" verschleppt.

Die meisten Düsseldorfer Sinti und Roma wurden von den Nazis ermordet. Den wenigen Überlebenden wurde in der Regel eine Entschädigung für die erlittene Verfolgung verweigert. Stattdessen wurden sie in Düsseldorf erneut an einer Stelle zusammengefasst: im ehemaligen Zigeunerlager am Höherweg.