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Marie Kahle - ein Beispiel für Zivilcourage

Potrait von Marie Kahle

Neben dem organisierten politischen Widerstand, der in Bonn bereits 1935 zerschlagen worden war, gab es Menschen, die der Rassenhetze und der Propaganda der Nationalsozialisten nicht folgten und Zivilcourage zeigten.

Am 10. November 1938 wurden in Bonn alle Synagogen und die wenigen noch existierenden jüdischen Geschäfte in Brand gesetzt. Schaufenster wurden eingeschlagen, Waren und Inventar demoliert. Die Passanten sahen zu: neugierig, entsetzt oder auch zustimmend.

Am nächsten Tag halfen Marie Kahle und ihr Sohn Wilhelm ihrer jüdischen Nachbarin Emilie Goldstein, deren zerstörtes Geschäft aufzuräumen. Dabei wurden sie von einem Polizisten überrascht, der ihre Personalien aufnahm. Eine Woche später wurde Marie Kahle im "Westdeutschen Beobachter", der nationalsozialistisch gelenkten Lokalzeitung, an den Pranger gestellt:

"Das ist Verrat am Volke".

Ihrem Ehemann Professor Paul Kahle wurde sofort die Fortführung seiner Dienstgeschäfte an der Universität untersagt, im Januar 1939 wurde er entlassen. Ihr ältester Sohn Wilhelm, Student der Musikwissenschaft, wurde von der Universität ausgeschlossen. Heimlich und ohne Gepäck, emigierte die ganze Familie im Frühjahr 1939 nach England. Im November 1945 veröffentlichte Marie Kahle ihre Erlebnisse in Bonn. Der Bericht wurde übersetzt und im Jahr 1998 von John (Hans) Kahle und Wilhelm Bleek neu herausgegeben.