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Dank aus der Villa ten Hompel an die Polizei: Beherztes Eingreifen hat an der Synagoge wohl Schlimmeres verhindert Beauftragter gegen Antisemitismus in Münster bekundet Solidarität und bietet der Jüdischen Gemeinde Hilfe an.

Verfasst am 13. Mai 2021

Sofort nach Bekanntwerden des Vorfalls am Dienstag, 11. Mai vor der Synagoge in Münster und der Aufruhr in anderen Landesteilen sandte Stefan Querl als Beauftragter gegen Antisemitismus in Münster Solidaritätsbotschaften an alle Aktiven des Vorstands der Jüdischen Gemeinde in Münster. Er dankte unmittelbar auch dem Polizeipräsidenten Falk Schnabel, dass er noch am Abend den Ort des Unruheherds aufgesucht und sich mit Sharon Fehr, dem Vorsitzenden der Gemeinde, ausgetauscht hatte. Sicherheitsvorkehrungen seien verstärkt worden, was angesichts der Lage „bitter nötig“ sei.

„Dass die Polizei Gefahren abgewehrt und wohl Schlimmeres verhütet hat, verdient Anerkennung auch aus der Zivilgesellschaft. Polizeipräsident Falk Schnabel, der umgehend zur Synagoge fuhr und sich sofort informieren ließ, und seine Einsatzkräfte haben beherzt reagiert“, bedankte sich Stefan Querl, stellvertretender Leiter des Geschichtsortes Villa ten Hompel. Mit seinem Kollegen Peter Römer im Team gegen Antisemitismus und mit dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde hatte er vor zwei Wochen erst in der Synagoge neue Strategien gegen Antisemitismus in den Blick genommen und mit ADIRA eine Kooperation geplant, der extra geschaffenen Anlauf- und Beratungsstelle bei der Jüdischen Gemeinde in Dortmund, die für ganz Westfalen zuständig ist. „Die Lage im Nahen Osten ist so komplex, verhärtet und angespannt, dass wir nicht nur zwei Seiten und Konfliktlinien haben. Schon lange nicht mehr“, betont Stefan Querl, der Israel intensiv kennt und schon nach Ausbrechen der ersten Unruhen am „Jerusalem-Tag“ Yad Vashem geschrieben hatte: An das pädagogisch-wissenschaftliche Team der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, das teils gefährdet in die Schutzräume musste wegen der Raketen-Ziele und der Luftalarme nach den Angriffen und Altstadt-Unruhen. Villa ten Hompel und Yad Vashem kooperieren eng in der Forschung und Vermittlung. Eine breite Mehrheit in Münster lehne solche Konfrontationen wie in der Klosterstraße angewidert ab. „Eine Flagge mit dem Davidstern anzustecken, ist beleidigend und aggressiv und sogar strafbar unter gewissen Voraussetzungen – von der Verletzung religiöser Gefühle gar nicht zu sprechen“, mahnt Stefan Querl. Er klagt, dass politische Provokation von gewissen Parteien im Konflikt gewollt sei. Besorgniserregend seien die so wachsenden Ängste der jüdischen Gläubigen im Münsterland nach den akuten Aggressionen. „Als nichtjüdische Nachbarn und als Freundinnen und Freunde sind wir da gefordert.“ Recht habe Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der vor wenigen Wochen erst öffentlich betont hatte, dass die Lage jüdischer Menschen in unserem Lande ein besonderer Gradmesser dafür sei, wie es um unsere Gesellschaft stehe.

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