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Broschüre „Positionierte Orte“ erschienen

Die Broschüre „Positionierte Orte“ wurde von zwei Mitgliedgedenkstätten des Arbeitskreises in Auftrag gegeben und liefert auf über 100 Seiten „Impulse zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorten“.

Verfasst am 23. November 2025

Herausgegeben von Sabine Reimann, Michael Sturm und Hans-Peter Killguss im Auftrag des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln und des Erinnerungsorts Alter Schlachthof an der Hochschule Düsseldorf, bündelt die Veröffentlichung „Positionierte Orte“ Beiträge und Interviews aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft. Ziel ist es, NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte als positionierte Orte zu stärken: Orte, an denen erinnerungspolitische Verantwortung sichtbar und die Debatte um Nationalsozialismus und seine Folgen lebendig gehalten wird.

Die Publikation reagiert auf eine spürbare Zunahme von Angriffen von Rechtsaußen auf Gedenkstätten. Mitarbeiter*innen berichten von Sachbeschädigungen, Provokationen, antisemitischen Anfeindungen sowie Geschichtsumdeutungen und erinnerungspolitischen Attacken. Diese Entwicklungen zeigen, wie fragil Erinnerungskultur auch heute noch ist und wie wichtig es ist, Strategien zu entwickeln, die Sicherheit, Aufklärung und Reflexion miteinander verbinden. Die Texte betonen, dass der Umgang mit extremrechter Propaganda nicht auf städtische oder ostdeutsche Milieus beschränkt ist: Auch im Westen Deutschlands gewinnen geschichtspolitische Narrative an Boden, was eine differenzierte, kontextbezogene Vorgehensweise erforderlich macht.

Auf der inhaltlichen Ebene verortet die Broschüre den Diskurs an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis. Sie bietet keine pauschalen Checklisten, sondern Impulse für eine kritische Auseinandersetzung, praxisnahe Handlungsempfehlungen und Reflexionsanleitungen, die sich an die spezifischen Gegebenheiten einzelner Orte anpassen lassen. Größe, Personalstärke, Ressourcen, Trägerschaft und räumliche Lage bestimmen die Handlungsoptionen und Sicherheitsmaßnahmen vor Ort. Zugleich wird deutlich, dass ein enger Austausch unter Gedenkstätten, Kooperationspartnern, Besucherinnen und Besuchern, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren unverzichtbar ist, um neue Formen der Aufklärung zu entwickeln und um eine robuste, widerstandsfähige Erinnerungsarbeit zu ermöglichen.

Historisch betrachtet bleibt die Erinnerung an die NS-Verbrechen ein zentraler Pfeiler staatlicher Verantwortung. Der Diskurs darüber ist jedoch umkämpft, wie politische Strömungen des rechten Spektrums zeigen. Die AfD und andere Gruppierungen fordern veränderte Narrative, postulieren „Schlussstriche“ und versuchen, Geschichte in einen nationalistischen Mythos zu übersetzen. Die Publikation macht deutlich, dass solche Tendenzen die Arbeit an Gedenkstätten erschweren und eine defensive, zugleich offene Haltung erfordern. Eigensinnige Deutungen müssen kritisch hinterfragt werden, während rechtsextreme Diskurse entschlossen zurückgewiesen werden.

Zentral ist die Einsicht, dass NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte keine neutraler Räume, sondern Standorte politischen Gedankenaustauschs sind. Sie verlangen eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Gegenwart, Gesellschaft und Politik. Die Texte ermutigen zu couragierten, reflektierten Positionierungen, die sich an rechtlichen Rahmenbedingungen orientieren und doch Raum für pädagogische Kreativität lassen. So wird aus der Publikation ein Instrument, das Lernende, Lehrende, Besucherinnen und Besucher sowie Fachkolleginnen und -kollegen befähigt, sich aktiv gegen Geschichtsklitterung, Antisemitismus und Rassismus zu stellen und die Erinnerungskultur in Nordrhein-Westfalen, deutschlandweit und darüber hinaus zu stärken.

Die Broschüre „Positionierte Orte“ kann hier heruntergeladen werden.

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