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Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: Film und Vortrag u.a. Vortrag von Dr. Holger WEITENHAGEN, Siegburg, und Pfarrer Carsten SCHLEEF, Seelscheid, über „Verantwortungsvolle Erinnerungskultur – zwischen ‚Betroffenheit‘ und Verdrängen“

Datum: 27.01.2018 14.45
Ort: Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“, Bergstraße 9, 51570 Windeck-Rosbach
Preis: Eintritt frei

Am 27. Januar 1945 wurden die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz von russischen Soldaten befreit. Auschwitz steht wie kein anderes KZ als Symbol für den millionenfachen Mord des NS-Regimes vor allem an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen. Deshalb wurde der Tag der Befreiung im Jahr 1996 zum ersten Mal als nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Er soll, wie es der damalige Bundespräsident Herzog in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag ausdrückte, als zentraler Gedenktag „aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden lassen“. 2005 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar in einer Resolution offiziell zum internationalen Holocaustgedenktag.

Ab 14.45 Uhr wird der Film „Erna de Vries: Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“, der 2007 von Münsteraner Geschichtsstudenten erstellt wurde, gezeigt. Die 1923 geborene Jüdin berichtet in diesem von prägenden Ereignissen, Gedanken und Gefühlen. So wurde während der Novemberpogrome 1938 de Vries Elternhaus von der pöbelnden Menge zerstört und ausgeraubt. Mit nur 19 Jahren begleitete sie ihre Mutter freiwillig in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Wie durch ein Wunder wurde Erna im September 1943 aus dem Todesblock aussortiert, nur zwei Monate später wurde ihre Mutter in Auschwitz ermordet. Diese hatte ihre Tochter während einer ihrer letzten Begegnungen gebeten: „Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat“. Im Alter erfüllt sie schließlich den Wunsch ihrer Mutter. Erna de Vries nahm übrigens am Auschwitz-Prozess am Landgericht Detmold teil; aufgrund ihrer Aussage als Nebenklägerin und Zeugin trug sie mit zur Verurteilung eines ehemaligen SS-Wachmanns des Vernichtungslagers Auschwitz bei.

Ab 15.45 Uhr folgen zwei Kurzvorträge mit anschließender Diskussion über das Thema „Verantwortungsvolle Erinnerungskultur – zwischen ‚Betroffenheit‘ und Verdrängen“. Wir leben in einer Zeit der zunehmenden Spaltung zwischen diesen Polen der Erinnerungskultur. Zwei Theologen aus dem Landkreis, Carsten Schleef, Pfarrer in Seelscheid, Synodalassessor und Landessynodaler, und Dr. Holger Weitenhagen, Pastor in Heisterbacherrott und Kirchenhistoriker im landeskirchlichen Bereich, wollen zum einen die Grundsätze sachgerechter Geschichtsbetrachtung wie zum anderen die Erfahrungen der Gegenwart darlegen. Zwei Kurzvorträge mit Diskussion sollen das schwierige und empfindliche Thema näherbringen und nach Antworten suchen.

Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt von Achim Reschke (klassische Gitarre).

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