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Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Datum: 27.01.2019 14.15-16.30 Uhr
Ort: Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“, Bergstraße 9, 51570 Windeck-Rosbach
Preis: Eintritt frei

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus Am 27. Januar 1945 wurden die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz von russischen Soldaten befreit. Auschwitz steht wie kein anderes KZ als Symbol für den millionenfachen Mord des NS-Regimes vor allem an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen. Deshalb wurde der Tag der Befreiung im Jahr 1996 zum ersten Mal als nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Er soll, wie es der damalige Bundespräsident Herzog in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag ausdrückte, als zentraler Gedenktag „aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden lassen“. 2005 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar in einer Resolution offiziell zum internationalen Holocaustgedenktag.

Ab 14.15 Uhr spricht Frank SPARING M.A., Düsseldorf, über das Thema „Jüdische Psychiatriepatienten im Rheinland während des Nationalsozialismus“. Während des Nationalsozialismus befanden sich schätzungsweise zwischen 2.500 und 5.000 Patienten in psychiatrischen Anstalten, die der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörten. Als Juden und psychisch Kranke oder Behinderte wurden sie gleich doppelt diskriminiert und zählten schließlich zu den ersten Opfern der „Euthanasie“-Patientenmorde. Der Vortrag befasst sich mit den Zuschreibungen der „Rassenpsychiatrie“ und den Auswirkungen auf die Situation von Juden in psychiatrischen Anstalten im Rheinland während des Nationalsozialismus. Schließlich wird der Verlauf der „Sonderaktion“ zur Tötung jüdischer Psychiatriepatienten in der Rheinprovinz im Februar 1941, wie auch die Konzentration der verbliebenen Patienten in der jüdischen Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn bei Koblenz beleuchtet. Die Anstaltsinsassen wurden von März bis Juni 1942 aus Bendorf-Sayn in den Osten abtransportiert, wo sie in den Vernichtungslagern der „Aktion Reinhardt“ durch die nun am Massenmord an den Juden beteiligten Tätern der „Euthanasie-Aktion T4“ getötet wurden.

Ab 15.45 Uhr wird der Film „Diagnose: Jude“ zu sehen sein. Er entstand im Rahmen des LVR-Projekts zur Aufarbeitung des Themas „Geschichte der NS-Euthanasie im Rheinland“ zur Vermittlung im Schulunterricht. In Zusammenarbeit mit dem LVR-Zentrum für Medien und Bildung in Düsseldorf entwickelte die Regisseurin Barbara Lipinska einen sensiblen, visuellen Zugang zu einem Aspekt der rheinischen Geschichte, der bislang wenig beleuchtet wurde. Etwa 200.000 psychisch wie körperlich kranke und behinderte Menschen fielen den nationalsozialistischen „Euthanasie“-Maßnahmen zum Opfer, darunter etwa 10.000 Betroffene aus dem Rheinland. Der Film widmet sich den jüdischen Psychiatriepatientinnen und -patienten. In doppelter Hinsicht waren sie der staatlich betriebenen Verfolgung ausgesetzt: Als Angehörige der von den Nationalsozialisten verfolgten jüdischen Minderheit und als Psychiatriepatientinnen und -patienten, die als „Ballast“ für die „Volksgemeinschaft“ und als „nicht-lebenswerte“ Existenzen galten. Dr. Ricarda HENKEL, Wissenschaftliche Archivarin am Archiv des LVR in Brauweiler, wird in die Thematik einführen. (Text: www.lvr.de)

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