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Der Kreuzzug von 1096 – die Urkatastrophe des rheinischen Judentums Vortrag von Dr. Manfred VAN REY, Königswinter

Datum: 15.10.2017 14.45-16.15 Uhr
Ort: Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“, Bergstraße 9, 51570 Windeck-Rosbach
Preis: Eintritt frei

Die Judenverfolgungen zu Beginn des Ersten Kreuzzugs 1096 stellten die Juden vor die die grausame Alternative Tod oder Taufe. Der Märtyrertod von Männern und Frauen jeden Alters, die Bereitschaft der Selbstopferung als Akt der „Heiligung des göttlichen Namens“ („Kiddusch haSchem“), der auch den „Selbstmord“, die Tötung anderer und sogar die „Opferung“ der Kinder mit einschloss, kreierte das typisch aschkenasische Bild eines Märtyrers und wurde in der Folgezeit zum freilich umstrittenen Ideal erhoben, die Bereitschaft zur „Heiligung des göttlichen Namens“ wurde in den hebräischen Berichten verewigt und bis heute tradiert. Sie stand in der Tradition von Massada und war die Urkatastrophe des rheinischen Judentums, das einschneidendste Ereignis vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933.

Der Vortrag geht den Ereignissen von 1096 in Mainz, Worms, Speyer, Köln und Bonn nach, schildert die Rettung der Kölner jüdischen Gemeinde auf der Wolkenburg im Zweiten Kreuzzug und berichtet vom Märtyrertod der beiden Königswinterer Jungen Abraham und Samuel. Als langfristig bedrohlich erwiesen sich antijüdische Ritualmordlegenden. Verheerend wirkte sich am Karfreitag 1287 ein vermeintlicher Ritualmord an einem Jungen aus Oberwesel, dem „guten Werner“, aus. Er löste eine schwere Verfolgungswelle aus, die sich bis zum Niederrhein und ins Moselgebiet ausweitete und allein in Siegburg zwanzig Opfer forderte.

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