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DVD "Wewelsburg - Ideologie und Terror der SS" erschienen Neue DVD des LWL-Medienzentrums für Westfalen und des Kreismuseums Wewelsburg porträtiert wichtigen Erinnerungsort westfälischer Zeitgeschichte

Verfasst am 25. Mai 2011

Die südlich von Paderborn gelegene Wewelsburg, ein von den Paderborner Fürstbischöfen erbautes Renaissance-Schloss, wollte Heinrich Himmler zum Versammlungsort und Refugium für seine höchsten SS-Führer (Offiziere) ausbauen. Für die Bauarbeiten wurden seit 1939 Häftlinge eingesetzt,  die in dem eigens angelegten Konzentrationslager Niederhagen untergebracht waren. Obgleich ein kleines Lager, war die Härte der Wachmannschaft gegenüber den Insassen berüchtigt.

In den SS-Reihen wurde vermeintlich altgermanisches Brauchtum neu belebt, die Öffentlichkeit blieb ausgeschlossen. Ein Schleier des Geheimnisvollen umgab seitdem die Wewelsburg und besonders den Nordturm, was nach dem Krieg zu haarsträubenden Spekulationen führte. 1982 eröffnete im ehemaligen Wachgebäude die Dokumentations- und Gedenkstätte „Wewelsburg – 1933 -1945“. Die Wewelsburg findet ein breites Besucherecho im In- und Ausland und ist heute eine der wichtigsten Gedenkstätten an die Verbrechen des Nationalsozialismus in Deutschland.

2010 wurde die neue, völlig umgestaltete Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ der „Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945“ im Kreismuseum Wewelsburg eröffnet und nun, ein Jahr danach, bringt das LWL-Medienzentrum für Westfalen in Kooperation mit dem Kreismuseum eine neue Doppel-DVD heraus: „Wewelsburg – Ideologie und Terror der SS“.

Disk 1

Auf der Disk 1 befindet sich der bei „Anne Roerkohl dokumentARfilm GmbH“ in Auftrag gegebene Film „Wewelsburg – Ideologie und Terror der SS“. In 23 Minuten bietet er einen filmischen Überblick über die zentralen Themen der neuen Dauerausstellung im Kreismuseum, der die lokalen Ereignisse in Wewelsburg während des Dritten Reiches mit einer umfassenden Gesamtdarstellung der SS verknüpft. Die weltanschaulich-ideologischen Bestrebungen der SS werden ebenso dargestellt, wie die verbrecherischen Folgen. Zahlreiche Museumsobjekte aus dem Lebensumfeld der SS und Realien aus dem KZ Niederhagen werden in dem Film präsentiert. Otto Preuss, ein ehemaliger politischer Häftling, und Mark Weidman, ein polnischer Jude, dem es gelang, mit falscher christlicher Identität den Pogromen seiner Heimat zu entfliehen, berichten gemeinsam über das menschenunwürdige Leben im Lager. Die Gräueltaten, denen die Häftlinge ausgesetzt gewesen sind und die sie mit ansehen mussten, empfanden sie selbst als so ungeheuerlich, dass sie nach der Befreiung viele Jahre nicht darüber berichten konnten. „Wer sollte uns so etwas denn glauben?“ so Otto Preuss mit fast tränenerstickender Stimme vor der Kamera. „Dieser Film soll zukünftig auch als Einführungsfilm für die Ausstellungsbesucher genutzt werden“, erläutert Kreisdirektor Heinz Köhler.

Disk 2

Das umfangreiche Zusatzmaterial wird auf der Disk 2 präsentiert. Es beinhaltet 18 Filmclips, die auch in der neuen Dauerausstellung – ebenfalls in deutscher und englischer Sprache – gezeigt werden. Bestimmte Themen, wie die wissenschaftlichen Bestrebungen der SS durch Expeditionen und archäologische Grabungen oder die spätere Strafverfolgung der SS-Täter in der Nachkriegszeit, werden vertieft. Ein weiterer neuer Part sind die „Phasen des Gedenkens“, die den Umgang der Wewelsbur-ger Dorfbevölkerung und der Nachkriegsgesellschaft allgemein mit dem Terror der SS erläutern. Bemerkenswert ist die Wiedergabe von fünf Interviews, die mit Überlebenden des KZ Niederhagen aus Belgien, Österreich, der Ukraine und Russland geführt wurden. Sie berichten von ihren Erfahrungen vor ihrer  Verhaftung durch die Gestapo und im Konzentrationslager sowie von ihren Bemühungen, nach der Befreiung in der Nachkriegsgesellschaft wieder Fuß zu fassen. Es wird dabei großer Wert darauf gelegt, dass die Zeitzeugen in ihrer jeweiligen Sprache zu hören sind; sie sind daher teilweise mit deutschen bzw. englischen Untertiteln versehen. Ein kleiner ROM-Teil enthält Arbeitsblätter für den Unterricht.

„Die neue DVD porträtiert auf anschauliche und eindringliche Weise einen wichtigen Erinnerungsort westfälischer Zeitgeschichte. Sie möchte Jugendlichen wie erwachsenen, Deutschen, wie Menschen aus anderen Ländern, dabei helfen, die Grausamkeit des Nationalsozialistischen Terrors, aber auch die Faszination, die die NS-Ideologie auf viele Deutsche ausübte, besser zu verstehen“, erklärt die Kulturdezernentin des LWL, Frau Dr. Barbara Rüschoff –Thale. Die von der Dokumentarfilm GmbH um Dr. Anne Roerkohl und Gesa Kok erstellte DVD eigne sich gleichermaßen für den schulischen Unterricht wie für die außerschulische Bildungsarbeit und die persönliche Information.

 

Wewelsburg – Ideologie und Terror der SS / Wewelsburg – Ideology and Terror oft he SS

Film ca. 23 Minuten plus 18 Filmmodule von zusammen 120 Minuten, Deutsch und Englisch; ROM-Teil in Deutsch, 46seitiges Booklet

Für 19,90 € ist die DVD ab sofort im Museumshop auf der Wewelsburg erhältlich. Bestellungen beim LWL-Medienzentrum für Westfalen, Fürstenbergstraße 14, 48147 Münster, per E-Mail: medienzentrum@lwl.org, Tel. 0251/591-3902, Fax 0251/591-3982 http://www.westfalen-medien.lwl.org

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