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Sonderausstellung "entartet – zerstört – rekonstruiert" in Wewelsburg Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945 zeigt bewegende Sammlungsgeschichte und Werke bedeutender Expressionisten

Verfasst am 24. Februar 2011

Zwischen dem 6. Februar und dem 10. April ist das Kreismuseum Wewelsburg für Kunstliebhaber und geschichtlich interessierte Menschen ein ganz heißer Tipp für einen Besuch. In dieser Zeit wird in der Sonderausstellung „entartet – zerstört – rekonstruiert“ im Burgsaal der Wewelsburg die Sammlung „Cohen-Umbach-Vogts“ gezeigt. Diese beeindruckt in zweierlei Hinsicht: Zum einen zeigt sie zahlreiche Werke bedeutender Expressionisten, zum anderen spiegeln Leben und Schicksal ihrer drei Sammler auf tragische Weise die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Dr. Walter Cohen war in den 1920er Jahren ein angesehener Kunsthistoriker und Museumskurator in Düsseldorf. Als Förderer der künstlerischen Avantgarde und privater Sammler war er mit allen führenden Vertretern des Expressionismus bekannt und trug eine private Sammlung zeitgenössischer Kunst zusammen. Die Nationalsozialisten diffamierten diese in den 1930er Jahren als „entartet“. Cohen wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft verfolgt und starb 1942 im KZ Dachau. Seine Ehefrau Margarete Umbach versteckte die Sammlung während des Krieges im Elsass; trotzdem wurde diese fast vollständig zerstört. Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Richard Vogts versuchte sie, die Sammlung nach dem Krieg zu rekonstruieren und im Sinne Walter Cohens fortzuführen.

Neben Gemälden und Aquarellen enthält die Sammlung vor allen Dingen Radierungen, Lithographien, Holzschnitte und Zeichnungen. Die Liste der Künstler liest sich wie das „Who is Who“ der expressionistischen Kunst des frühen 20. Jahrhunderts und der berühmten Künstlervereinigungen „Brücke“, „Blauer Reiter“ und „junges Rheinland“: Max Beckmann, Otto Dix, Paula Modersohn-Becker, Emil Nolde, Otto Pankok, Karl Schmidt-Rottluff, Gabriele Münter, Erich Heckel, Christian Rohlfs und viele andere sind vertreten. Im Rahmen eines Kooperationsprojekt zwischen dem Kreismuseum Wewelsburg, dem Stadtmuseum Brakel und dem Museum Am Burghof in Lörrach werden die Werke erstmalig in Nordrhein-Westfalen zu sehen sein. Darüber hinaus werden in der Sonderausstellung Aspekte der Kunst- und Kulturgeschichte vor dem Hintergrund der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten thematisiert.

Neben öffentlichen und individuell buchbaren Führungen durch die Sonderausstellung bietet das Kreismuseum in Kooperation mit den Kammerspielen Paderborn auch für Schulen pädagogische Programme an. Der Eintritt in die von der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold geförderte Sonderausstellung kostet für Erwachsene 4,- €.

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