"Hitleriada Furiosa - Hitleriada Macabra" Zeichnungen von Stanislaw Toegel
Die Aufarbeitung der Geschichte der ZwangsarbeiterInnen in Dortmund wird durch die Dokumentation der Arbeiten Stanislaw Toegels um einen künstlerisch-agitatorischen Aspekt bereichert.
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Ein Dortmunder, der als Spender namentlich ungenannt bleiben möchte, überraschte das Stadtarchiv Dortmund vor vier Jahren mit einem großzügigen Geschenk: 22 kolorierte Nazi-Karikaturen eines zum damaligen Zeitpunkt unbekannten Künstlers, dessen Signatur kaum lesbar war, lediglich war feststellbar , dass die auf den einzelnen Blättern aufdruckten Sätze in polnischer Sprache abgefaßt waren. Die Suche nach der Identität des Künstlers vor Ort in gängigen Nachschlagewerken erwies sich ergebnislos. Auf den einzelnen Karikaturen waren als Signaturorte Göttingen und Osnabrück angegeben, so dass Suchanfragen an die dort ansässigen Museen und Archive gerichtet wurden. |
| Schließlich war es das Felix-Nussbaum-Museum in Osnabrück, das die Identität des Künstlers aufhellen konnte. Es handelt sich hierbei um Stanislaw Toegel (geb. Lemberg 1905 - verst. Bytom 1953), polnischer Widerstandskämpfer und Karikaturist. |
Zur Biographie von STANISLAW TOEGEL
Geboren am 20. Juli 1905 in Jaworowo im Regierungsbezirk Lwów (Lemberg, damals zur K.u.K. Monarchie Östereich gehörig. Seine Vorfahren stammten aus Schweden. Einer seiner Vorfahren war am Kaiserhof in Wien als Offizier tätig. Stanislaw studierte und absolvierte die Juristische Falkultät der nach König Jan Kazimierz benannten Universität in Lwów. In den 1930er Jahren siedelte Toegel nach Warszawa um, wo er eine Beschäftigung im Versicherungswesen aufnahm. Als Reserveoffizier nahm er 1939 am Krieg gegen die Deutsche Wehrmacht teil und geriet in Gefangenschaft. Er konnte jedoch später flüchten. Die Zeit der deutschen Besetzung verbrachte er konspirativ in Warszawa. Dort nahm er aktiv an der Untergrundbewegung der AK (Armia Krajowa = Heimatarmee) teil, und war hierbei wahrscheinlich auch an Sabotage- und propagandistischen Aktionen beteiligt. Nach nichtoffiziellen Quellen war Toegel der Zeichner jenes weit bekannten und anerkannten Symbols eines Ankers – das Zeichen „Kämpfendes Polen“. Der Anker hatte in seinem oberen Teil den Buchstaben „P“ (für Polen) und im unteren Bereich den Buchstaben „W“ (für kämpfendes). Dieses Symbol erschien in vielen polnischen Städten an den Hauswänden im Frühjahr 1942. Toegel war ein begabter Karikaturist, wenn auch nur Autodidakt. In der Lwówer Zeit (Lemberg) war er als Mitarbeiter im Aziennik Polski und Kurier Lwówski - beides angesehene Gazetten – tätig; verfasste Feuilleton-Beiträge und gestaltete Karikaturen.
Nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands wurde Toegel in ein Straflager nach Göttingen deportiert und musste Zwangsarbeit in einer Papierfabrik leisten. Auch dort betätigte er sich konspirativ. Unter seiner Feder entstanden eine Reihe von satirischen Zeichnungen. Nach der Befreiung im Frühjahr 1945 kam Toegel nach Osnabrück, wo er sich im DP-Lager an der Herausgabe einer Lagerzeitschrift beteiligte. Der Verleger Anton Markiewicz veröffentlichte damals einen Zyklus der Karikaturen Toegels (Celle 1945/46) unter dem Namen „Hitleriada Furiosa“ und „Hitleriada Macabra“. Eben diese Arbeiten liegen dem Stadtarchiv Dortmund jetzt vor. Nach der Rückführung in die Heimat im Jahre 1947 nahm Toegel seinen Wohnsitz in Bytom. Nur sechs Jahre später starb er dort im Alter von 48 Jahren.
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