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Die „Stolpersteine“ - Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. Am 28. März 2017 wird der Künstler Gunter Demnig zum zwölften Mal in Oberhausen Stolpersteine verlegen. Insgesamt sind in allen Stadtteilen mittlerweile über 170 dieser Steine zu finden. Diesmal werden an acht verschiedenen Orten 17 Stolpersteine im Gedenken an die während des Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Oberhausener in den Gehweg eingelassen. Alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Oberhausen sind herzlich eingeladen, an diesen Verlegungen teilzunehmen.

Verfasst am 16. Februar 2017

Vorläufiger Zeitplan der Verlegungen:

Ca. 9.00 Uhr Nohlstr. 57 (Maria und Eduard Kaiser)

Ca. 9.20 Uhr Stöckmannstr. 43 (Rosa, Vita und Elias Lehrer)

Ca. 9.40 Uhr Friedenstr. 23 (Pauline und Alexander Benjamin)

Ca. 10.00 Uhr Roonstr. 58 (Josef Manikofski)

Ca. 10.20 Uhr Theresenstr. 45 (Emilie, Isidor und Friedel Löwenhardt)

Ca. 10.45 Uhr Ulmenstraße 27 (Friedrich Wilhelm Herkendell)

Ca. 11.10 Uhr Leuthenstr. 77 (Maria und August Zilian)

Ca. 11.30 Uhr Am Walde 3b (Elise und Wilhelm Hetkamp)

Zu den Stolpersteinen

Der Kölner Künstler Gunter Demnig möchte mit seinem Projekt „Stolpersteine“ an die Opfer der NS-Zeit erinnern, indem er an ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern hält er die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst dort wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE/ LEBTE/ ARBEITETE... Weitere Infos unter: www.stolpersteine.com

Die Stadt Oberhausen versteht sich als Multiplikatorin für die Aktion "Stolpersteine", um möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Institutionen Informationen und Hilfestellung bei der Übernahme einer Patenschaft zu bieten, um die "Stolpersteine" dauerhaft in das Stadtbild einzufügen.

Infotelefon Gedenkhalle: 0208 6070531-14

e-mail: Mareike.Otters@oberhausen.de

Lebenslauf GUNTER DEMNIG

1947 in Berlin geboren, Studium der Kunstpädagogik und Industrial Design, Studium der Freien Kunst, tätig in der Denkmalsanierung, 1980 -

1985 künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel

1990 Erste Aktion zur Erinnerung an die Deportation von Sinti und Roma aus Köln 1940

1993 Entwurf zum Projekt „Stolpersteine“

1997 Erste Verlegung in Berlin

ab 2000 „Stolpersteine“ in Deutschland

Preise (Auswahl)

2004 Herbert-Wehner-Medaille der Gewerkschaft ver.di

2005 Das Rote Tuch Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf; Jugendmedienpreis

2005 German Jewish History Award Berlin

2006 Alternative Ehrenbürgerschaft der Stadt Köln

2008 Botschafter für Demokratie und Toleranz, Berlin

2009 Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf

2011 Otto-Hirsch-Medaille der Stadt Stuttgart

Rosa, Vita und Elias Lehrer – Flucht aus Oberhausen nach Paris 1933

Rosa Lehrer wurde 1929 als Tochter des jüdischen Ehepaares Elias und Vita Lehrer geboren. Die Eltern wohnten seit 1925 in Oberhausen. Elias Lehrer führte ein Bekleidungsgeschäft in der Innenstadt. Nach der Machtübernahme der NSDAP im Jahr 1933 flüchtete die Familie Lehrer nach Paris. Dort lebte sie bis 1940 in relativer Sicherheit.

Mit dem deutschen Sieg über Frankreich im Sommer 1940 änderte sich ihre Situation jedoch dramatisch. Die deutsche Wehrmacht besetzte ca. 60 Prozent des Landes. Im übrigen Gebiet wurde in der sogenannten „Freien Zone“ ein Marionettenregime unter General Petain eingerichtet. In beiden Zonen war das Leben der jüdischen Bevölkerung von nun an massiv durch die deutsch-französischen Verfolgungsmaßnahmen eingeschränkt. Die Deportationen der Jüdinnen und Juden aus Frankreich in die deutschen Vernichtungslager begannen im Frühjahr 1942. Am 27. März 1942 verließ der erste Zug mit 565 jüdischen Männern das Lager Drancy in Richtung Auschwitz-Birkenau.

Während einer von den Deutschen veranlassten großen Razzia vom 16. bis 17. Juli 1942 in Paris wurden 12.884 ausländische Jüdinnen und Juden – viele von ihnen Flüchtlinge wie die Lehrers - von französischen Polizisten festgenommen. Unter ihnen befanden sich auch Vita und Rosa Lehrer. Sie wurden zusammen mit den anderen jüdischen Familien (8.160 Erwachsene und 4.115 Kinder) im Stadion „Velodrome d’Hiver” unter menschenunwürdigen Bedingungen mehrere Tage lang festgehalten. Rosa und Vita Lehrer wurden daraufhin ins Lager Pithiviers in der Nähe von Paris verlegt. Von dort aus starteten die Deportationszüge in Richtung Auschwitz. Der erste Transport verließ das Lager am 31. Juli 1942. Vor der Abfahrt kam es zu dramatischen Szenen. Unter den französischen Behörden herrschte zu diesem Zeitpunkt noch Unklarheit über die Zustimmung des „Eichmannreferats“ zur Deportation der Kinder zwischen zwei und 16 Jahren. Deswegen trennten französische Polizisten die Mütter (unter ihnen Vita Lehrer) gewaltsam von ihren Kindern (unter ihnen Rosa Lehrer), um sie auf den Transport schicken zu können. Die Zustimmung zur Deportation der Kinder traf noch am selben Tag aus Berlin ein. Rosa Lehrer wurde am 7. August nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Der Vater Elias Lehrer entging der Razzia. Aber auch er wurde 1943 festgenommen und in die deutsch besetzten Gebiete in Osteuropa deportiert. Keines der Familienmitglieder überlebte die Verfolgung. Bis zu ihrer Flucht wohnten Rosa, Vita und Elias Lehrer in der Stöckmannstraße 43 in Alt-Oberhausen, wo am 28. März 2017 ein Stolperstein in Erinnerung an sie verlegt werden wird.

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