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"Uniform und Speiche" in der Villa ten Hompel: Annäherungen an den Polizeialltag Siebtklässler aus Düsseldorf trugen in ihrem Seminarprojekt heitere und sehr ernste Hintergrundinformationen zusammen.

Verfasst am 30. Mai 2005

Aus der Landes- in die Fahrradhauptstadt von Nordrhein-Westfalen führte die Klasse 7a des St. Ursula-Gymnasiums Düsseldorf jetzt eine historische Spurensuche. Die Schüler gestalteten am Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster das neue Seminarprojekt „Uniform und Speiche“, das ihnen vielseitig, in altersgerechter Form heitere, aber auch sehr ernste Hintergrundinformationen zur polizeilichen Arbeit auf zwei Rädern lieferte. Ein besonders spannender und abwechslungsreicher Höhepunkt im Programm war der Besuch von Polizeihauptmeister Jörg Allkemper aus der Hauptwache Mitte, der mit Mountainbike und in voller Montur der sattelfesten „Pedalritter“ in der Villa vorbeischaute, sich mit Sachkenntnis, Humor und viel Geduld löchern ließ.

Warum wird nächtliches Radeln ohne Licht oder das Fahren auf der falschen Seite in Münster sofort so streng geahndet? Wegen welcher Delikte ermittelt die „Soko Speiche“ in der Stadt? Kann eine Fahrradstreife bei Verfolgungsjagden überhaupt mithalten? Bleiben die schnellen Diensträder in der Garage, wenn’s regnet oder schneit? Wo genau haben Pistole und Pfefferspray an der speziellen „Bikeruniform“ ihren Platz? – Voller Neugier und Begeisterung erkundigten sich die jungen, engagierten Gäste aus dem Rheinland selbst nach kleinen Details im Dienstalltag. Sie staunten oft nicht schlecht, zumal ihnen schon während ihrer ersten Exkursionstage die Besonder-heiten des Münsterschen Radwege- und Promenadenverkehrs aufgefallen waren. „Überhaupt kein Vergleich mit Düsseldorf…“, waren sich viele der jungen Seminarteilnehmer, die mit ihrer Lehrerin Gisela Riedel und einem Kollegen im Jugendgästehaus Aasee Quartier genommen hatten, einig.

Dass die Staatsgewalten in Deutschland geteilt, dabei stets streng an Recht und Gesetz gebunden sind, dass „Fair Play“, kritische Wachsamkeit und demokratische Grundregeln jedes polizeiliche Handeln heute bestimmen, erfuhren die Siebtklässler ebenfalls anhand einiger Beispiele von Jörg Allkemper, aber auch aus Gesprächen mit Stefan Querl und Gundula Klein vom Team der Villa ten Hompel. Viel Lob gab’s von den Jugendlichen dafür, dass einige Beamte selbst am Geschichtsort forschen und dass die Polizeipräsidenten in Münster wie auch in Düsseldorf sehr daran interessiert sind, etwa auch die dunkle Vergangenheit der grünen Polizei im braunen NS-Staat auszuleuchten.

Schickte doch der „Befehlshaber der Ordnungspolizei“, der mit seinen Schreibtischtätern während des Zweiten Weltkrieges in der Villa ten Hompel residierte, Polizeikräfte aus dem Rheinland und aus Westfalen zum Beispiel in die Niederlande. Bis in die Gegenwart hinein haben daher viele Menschen im Königreich die Deutschen als „Fietsklauer“, als Fahrraddiebe, im Gedächtnis. Weil die NS-Besatzungsmacht im Krieg tausende Räder von Niederländern beschlagnahmen und als Raubgut „heim ins Reich“ transportieren ließ. Auch dieses Kapitel und solche Erinnerungen gehörten unter die Überschrift „Uniform und Speiche“, so Stefan Querl. Bewusst verzichtete der Referent darauf, bestimmte bittere Quellenbefunde und Aspekte brutaler Unterdrückungs- und Verfolgungsaktionen genauer zu beschreiben. „Ihr müsst das verstehen. Es ist ja kein Thema, dem man sich unvorbereitet oder voreilig in so jungen Jahren stellt“, begründete er seine Zurückhaltung gegenüber den Siebtklässlern, die das auch einsahen. Sie nahmen daraufhin jedoch gleich ihrer Lehrerin das Versprechen ab, im Unterricht bald weiter auf geschichtliche Entwicklungen und Ereignisse einzugehen. „Weil’s interessant und wirklich wichtig ist“, wie etliche im Projekt meinten.

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