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"Treue" - Annäherungen an einen hoch problematischen Begriff Raphael Gross referiert auf Einladung der Villa ten Hompel / Veranstaltungsprogramm für das zweite Halbjahr

Verfasst am 11. September 2007

Der Geschichtsort Villa ten Hompel lädt im zweiten Halbjahr 2007 alle historisch Interessierten aus Münster und Umgebung zu seinem Veranstaltungsprogramm ein. Beginnend mit der Nacht der Museen am 1. September 2007 bieten die verschiedenen Angebote unterschiedliche Wege an etwas über die Geschichte zu erfahren.

In der Reihe der "Mittwochsgespräche“ werden neueste Forschungsergebnisse der Zeitgeschichte präsentiert. Die Kölner Historikerin Frau Dr. Cordula Lissner beginnt am 9. September 2007 um 20 Uhr mit dem Thema "Emigration und Rückkehr nach 1945“. Eine weitere Historikerin, Dr. Claudia Moisel aus München wird im November über die Französische Konfliktgeschichte nach 1945 sprechen. Höhepunkt der akademischen Reihe ist sicher der Vortrag des internatonal renommierten Geschichtswissenschaftler Dr. Raphael Gross vom Leo-Baeck-Institut in London und dem Fritz Bauer-Institut in Frankfurt. Sein Thema am 5. Dezember ist eine kritische Reflektion über den Begriff der "Treue im Nationalsozialismus und darüber hinaus“. Im Anschluss an die Vorträge wird es in einem offenen Forum Gelegenheit zur Nachfrage und Diskussion geben.

Zum Themenbereich des Erinnerns und Gedenkens werden zwei Veranstaltungen angeboten: Im Rahmen des "Tag des Offenen Denkmals“ wird Peter Schilling vom Verein "Spuren finden" das Projekt der Stolpersteine in Münster am 9. September 2007 vorstellen. Inzwischen sind über 100 dieser kleinen Erinnerungsdenkmale im Stadtgebiet von Münster nicht nur als Symbole vor Ort verlegt worden, sondern es wurde die Lebensgeschichte der Verfolgten des Nationalsozialismus auch in Form von Gedenkblättern im Geschichtsort Villa ten Hompel hinterlegt. Am 13. Dezember wird es im Geschichtsort Villa ten Hompel wieder zu einer Veranstaltung kommen, bei der neue Gedenkblätter für frisch verlegte Stolpersteine verlesen werden. Diese Veranstaltungen sind besonders interessant, weil sie nicht nur das Gedenken an die historische Zeit der NS-Verfolgung nachvollziehbar machen, sondern auch Einblick in die Motivation der Person geben, die sich entschlossen haben, Pate oder Patin einer Stolperstein-Aktion zu werden.

Als Kooperationsveranstaltung mit dem Evangelischen Forum Münster e. V. wird 12. September der Leiter des LWL-Medienzentrums Dr. Markus Köster über die Forschungen zur "Kindereuthanasie" berichten. Ebenfalls zum Begleitprogramm der Ausstellung des Evangelischen Forums Münster e.V. über den Pfarrer Paul Gerhard Braune, der gegen den Massenmord an Patienten von Heil- und Pflegeanstalten protestierte, gehört der Vortrag von Dr. Boris Böhm. Der Leiter der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein spricht am 19. September 2007 über die Konzeption und Arbeit seiner Einrichtung, die sich insbesondere mit dem Themenfelder der "Euthanasieverbrechen" beschäftigt.

Jüngste Forschungserkenntnisse aus der Villa selbst werden Veranstaltungen zum Bereich der Polizeigeschichte bieten. Ansgar Burchard hat soeben eine Magisterarbeit über das aktuelle Thema der "Auslandseinsätze der deutschen Polizei seit 1994" fertiggestellt. Er wird seine Erkenntnisse am 10. Oktober vorstellen. Eine Sonderführung von Thomas Köhler thematisiert am 21. Oktober die "NS-Weltanschauung als Religionsersatz der Polizei im Zweiten Weltkrieg“ in der Dauerausstellung. Polizist und Historiker ist Rainer Stoye Er berichtet über "Die toten Kinder von Menden und die Ermittlungen des Landeskriminalamtes". Stoyes Vortrag wird durch das Evangelische Forum Münster e.V. und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. in Kooperation getragen. Im Dezember wird Bettina Blum ihre didaktischen Materialien zur Geschichte der Frau in der Polizei und der Verwaltung präsentieren.

Der aktuellen Relevanz des Problems "Rechtsextremismus“ trägt eine kleine Vortragsreihe Rechnung, die mit dem 21. November beginnt. Prof. Dr. Karin Priester vom Institut für Soziologie in Münster wird dem Publikum einen "Soziologischen Blick auf die rechte Szene" eröffnen, während Artur Hertwig abschließend am 12. Dezember "Aktuelles über den Rechtsextremismus" aus der Perspektive des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Köln berichten wird.

Auch die seit 2003 regelmäßig stattfindenden "Tischgespräche" mit dem Münsteraner Kabarettisten Andreas Breiing werden fortgesetzt. Ab sofort können Karten für die folgenden Termine vorbestellt werden: 26. September, 31. Oktober sowie 29. November. Rechtzeitige Reservierung wird empfohlen (Eintritt 10 Euro, keine Abendkasse). Für den 9. November ist die Premiere einer szenischen Führung geplant. Das Expeditionstheater wird Brechtsche Szenen unter dem Titel "Kreidekreuz" in dem Gebäude der Villa inszenieren. Weitere Aufführungen sind geplant.

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e. V. organisiert auch in diesem Jahr wieder das Gedenken an die Deportationen aus Münster. Nach dem Treffen an der Gedenkstele an der Warendorfer Straße wird eine Matinee im Geschichtsort Villa ten Hompel veranstaltet. In diesem Jahr wird Prof. Dr. Alfons Kenkmann mit seiner Kollegin Elisabeth Kohlhaas aus Leipzig über ein Projekt berichten, dass Berichte von Kindern über den Holocaust in Warschau 1946 bis 1948 dokumentiert. Diese unmittelbar nach der Befreiung von den Überlebenden Zeitzeugen einer historischen Kommission berichteten Erlebnisse zeugen von großer Nähe zu diesem dramatischen Geschehen.

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