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Studienfahrt im Gedenken an die Deportation von Edith Stein Villa ten Hompel besucht das Durchgangslager Westerbork in den Niederlanden

Verfasst am 14. August 2007

Am 7. August 1942 wurde Edith Stein zusammen mit weiteren 986 Frauen, Männern und Kindern aus dem Durchgangslager Westerbork in den Niederlanden in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Im Gedenken an diesen Tag veranstaltete der Geschichtsort Villa ten Hompel in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. und der Katholischen Kirchengemeinde Hl. Edith-Stein zum 65. Jahrestag der Deportation eine Studienfahrt in das „Herinneringscentrum Kamp Westerbork“.

Das Lager Westerbork wurde 1939 als „Zentrales Flüchtlingslager“ für die aus Deutschland vor dem Nationalsozialismus in die Niederlande geflohenen Juden eingerichtet. 1942 wandelte es die deutsche Besatzungsherrschaft in ein „Polizeiliches Durchgangslager“ um. Von Westerbork aus wurden mehr als 100.000 jüdische Niederländer und die deutschen Flüchtlinge, aber auch Sinti und Roma in Vernichtungslager, vor allem nach Auschwitz und Sobibor, verschleppt. Von den Deportierten überlebten nur etwa 5000.

Das „Herinneringscentrum Kamp Westerbork“ erinnert heute an den Terror und die Verbrechen der Nationalsozialisten, ohne die Kollaboration der niederländischen Verwaltung zu verschweigen. Nach dem Besuch der Dauerausstellung erfolgte eine Führung über das ehemalige Lagergelände. Hierbei wurde deutlich, wie scharf der Kontrast zwischen der durch die Nazis geschaffenen Scheinwelt im Lager und den fast wöchentlichen Transporten in die Vernichtungslager war. Auf dem früheren Appellplatz, wo für jeden der 102.000 ermordeten Menschen symbolisch ein Stein aufgestellt worden ist, erinnerte der Historiker Matthias M. Ester an die zahlreichen münsterländischen Juden, die in die Niederlande geflohen waren und die nach der Besetzung der Niederlande von Westerbork aus in die Vernichtungslager deportiert worden sind. Pfarrer Hubertus Krampe erinnerte an den Lebensweg der katholischen Theologin und Philosophin Edith Stein, die 1932/33 in Münster gelehrt hat, bevor sie in die Niederlande ging und später aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ebenfalls deportiert wurde.

Den Abschluss des Tages bildete der Besuch der Synagoge in der Stadt Enschede. Diese gilt, so berichtete Angelika Sturm, als eine der schönsten in Mitteleuropa. Nochmals wurden die verheerenden Konsequenzen der NS-Verbrechen auf das Leben in den jüdischen Gemeinden in Europa verdeutlicht. Von den ehemals 1350 Mitgliedern überlebten nur ca. 500 den Krieg. Heute zählt sie nur noch etwa 70 Mitglieder.

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