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Nicht nur Not, auch Mut macht erfinderisch Eine große Konferenz an der Uni Bielefeld untersucht das Miteinander und das Ringen innerhalb der Gesellschaft um Zusammenhalt: Arbeitsbeispiele aus der Vermittlung in der Villa ten Hompel und aus Dachau veranschaulichten dabei den Konsens in Sachen Erinnerungskultur zu Verfolgten, Opfern und Tätern des NS-Regimes von 1933 bis 1945.

Verfasst am 12. Februar 2020

"Was hält uns zusammen?" Dieser Grundfrage ging am 10. und 11. Februar 2020 eine Fachtagung des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität in Bielefeld nach. Die Runde untersucht mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung das "Ringen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Zeiten rasanten Wandels." Dieses u.a. auf dem Feld der Geschichtskultur und Konsenssuche zur NS-Gedenkstättenarbeit. Wie das Erinnern und Gedenken versöhnen und Verständigung fördern, aber eben andererseits auch spalten und Gräben innerhalb der Gesellschaft vertiefen kann, stellte mit Beispielen aus der Bildungsarbeit zu NS-Täterschaft in der Villa ten Hompel Stefan Querl im Plenum zur Diskussion. Nicht nur Not, sondern auch Mut und die Fähigkeit zu Empathie, Eigensinn oder Selbstkritik mache Menschen erfinderisch und stark sich zu widersetzen. Wobei die NS-Gedenkstätten-Arbeit in der Praxis nur so gut funktioniere wie die Gesellschaft, die den Einrichtungen ihren Rücken stärke und sie trage. Facettenreich wurde sein Vortrag zuvor kontrastiert von Maximilian Lütgens aus dem Team der KZ-Gedenkstätte in Dachau, der Verfolgten- und Opfer-Schicksale bewusst in den Vordergrund rückte. Viel Raum nahm in der Debatte die Frage nach Zusammenhalt und Zivilcourage ein, u.a. angesichts eines eindrucksvollen Arbeitsberichts aus der Berufsfeuerwehr in Bielefeld: So gehörte Peter Palsbröker, Leiter der Leitstelle und ebenfalls engagierter Diskutant in der Tagungs-Einheit unter Leitung von Dr. Jonas Rees von der Universität Bielefeld, zu den Feuerwehrmännern in Ostwestfalen-Lippe, die sich öffentlich entschuldigt hatten. Und zwar explizit dafür, dass die Vorgänger-Organisation im NS-Regime während der Pogromnacht im Herbst 1938 Hilfe für verzweifelte jüdische Menschen unterlassen und teils bei Synagogen-, Geschäfts- oder Hausbränden Feuer sogar mit angestocht hatte. Eine Fülle von Beispielen für couragiertes Handeln gegen Gewalt und Hass liefert ein Portal des wissenschaftlichen Projektteams für einen künftigen Lernort Zivilcourage und Widerstand in Kislau nahe Heidelberg und Karlsruhe in Baden-Württemberg, das Stefan Querl ausdrücklich erwähnte, da die Fälle aus der Umbruch-Phase nach dem Ersten Weltkrieg, während der Weimarer Republik und NS-Diktatur quellenbasiert und überregional bedeutsam, dabei jugendgerecht in Motion Comics umgesetzt worden sind. (Zeichnung: Katja Reichert). Die Beispiele als Videos sind online frei verfügbar auf: www.baden18-45.de/filter/#video

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