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Mobil gegen Rechtsextremismus Vorstellung des neuen Projekts mobim stieß auf bemerkenswerte Resonanz

Verfasst am 14. November 2008

Zum 1. Oktober 2008 ist im Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster eine zentrale Anlaufstelle zur Beratung und Information im Themenfeld Rechtsextremismus gestartet. Ziel des Projekts „mobim - Mobile Beratung im Regierungsbezirk Münster. Gegen Rechtsextremismus, für Demokratie“ ist es, eine breite und kritische Auseinandersetzung mit – auch bis weit in die „Mitte der Gesellschaft“ reichenden – rechtsextremen Einstellungen und Handlungen zu fördern. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle sind vor allem Ansprechpartner für Initiativen, Vereine, Schulen oder Kommunen, aber auch für engagierte Bürger, die mit Rechtsextremismus in all seinen Ausprägungen in Berührung kommen und Unterstützung im Umgang mit Problemen oder Fragen benötigen. Tauchen etwa an einer Schule vermehrt rassistische Schmierereien oder Äußerungen auf, hat ein Fußballverein mit rechten Fans oder Mitgliedern zu kämpfen oder sollen Immobilien von rechtsextremen Gruppen angekauft werden, steht mobim mit Rat und Tat zur Seite.

Dr. Andrea Hanke, Kulturdezernentin der Stadt Münster, Dr. Harald Bergsdorf vom Bundesprogramm „kompetent. für Demokratie“ und Christoph Spieker, Leiter der Villa ten Hompel, freuten sich nun den offiziellen Startschuss für mobim bekannt zu geben. In einer kurzen Einführung skizzierte Harald Bergsdorf zunächst die Motivation, die Vorgehensweise und die Zielformulierung von „kompetent. für Demokratie“, über das ein Großteil der Kosten des Projekts finanziert wird. So werden in Nordrhein-Westfalen in allen fünf Regierungsbezirken jeweils lokale Beratungsnetzwerke und –teams aufgebaut. Bergsdorf ist auf Seiten der Landesregierung als Koordinator zuständig.

Für das Münsterland und das nördliche Ruhrgebiet sind Heiko Schreckenberg und Michael Sturm seit Anfang Oktober die Ansprechpartner. Der Diplompädagoge und der Historiker sind ausgewiesene Experten im Umgang mit Rechtsextremismus. Beide verfügen über einen vielfältigen Erfahrungsschatz, auf den sie bei ihren neuen Aufgaben zurückgreifen können.

Zukünftig geben sie gemeinsam Hilfestellung, wenn Probleme mit Rechtsextremismus auftreten. So unterschiedlich diese aussehen können, so speziell gestaltet sich der jeweilige Umgang mit ihnen. Ob rassistische Schmierereien eine Schule verunstalten, Neonazis in einem Sportverein an Einfluss gewinnen, die Öffentlichkeit die Herausbildung rechtsextremer Szenen ignoriert oder einfach ein breites Bündnis „gegen rechts“ auf die Beine gestellt werden soll – mobim bietet Unterstützung im Krisenfall und langfristig „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Zwar gilt Münster nicht als Hochburg rechtsradikaler Aktivitäten – gerade im Vergleich zu einigen Gebieten in Ostdeutschland oder im Ruhrgebiet erscheint die Stadt eher weniger gefährdet. Dennoch macht die Installierung der Beratungsstelle in Münster als Teil des landes- und bundesweiten Netzwerks durchaus Sinn, wie die Verantwortlichen während der Pressekonferenz ausdrücklich betonten. Schließlich agiere mobim im ganzen Regierungsbezirk: der Wille, „etwas zu tun“, sei dort vielfach vorhanden, allerdings kommen sowohl in den kleineren Städte und Landkreisen als auch in Münster und im Ruhrgebiet immer wieder Unsicherheiten und Fragen zum wachsenden Einfluss Rechtsextremer auf, wie Hanke und Bergsdorf deutlich machten.

Wie wichtig und aktuell die Arbeit gegen Rechtsextremismus ist, stellte Michael Sturm heraus, als er die Aktivitäten der westfälischen NPD und der sogenannten Freien Kameradschaften im Regierungsbezirk aufzeigte. „Viele wissen gar nicht, wie sie beispielsweise auf Flugblattaktionen mit rechtsradikaler Propaganda oder auf spontane Aufmärsche von Neonazis reagieren sollen“, so der Historiker weiter.

Mobim fungiert in solchen Fällen als Anlaufstelle und bietet als mobile Einrichtung Hilfe direkt vor Ort. Darüber hinaus dokumentieren die Mitarbeiter Aktivitäten, Strukturen und Veröffentlichungen der Szene, um konkrete Situationen einordnen und bewerten zu können. Die Ergebnisse werden Interessierten auf der projekteigenen Internetseite zur Verfügung gestellt und in Zukunft veröffentlicht werden.

Orientierung und Information zum komlpexen Thema Rechtsextremismus bieten Schreckenberg und Sturm zudem durch verschiedene Workshops und Seminare. So werden zum Beispiel die Kameradschaftsszene beleuchtet, rechte Geschichtsmythen enttarnt oder Argumente gegen Rassismus und Antisemitismus diskutiert.

Ständiger Sitz der Beratungsstelle wird der Geschichtsort Villa ten Hompel sein, der sich bereits seit mehreren Jahren neben der Arbeit zu historischen Themen auch mit aktuellen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus beschäftigt.

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