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"Mit Obama in Buchenwald – Erinnerungskultur als globaler Auftrag?" Am 13. Dezember feiert die Villa ten Hompel ihr 10jähriges Bestehen

Verfasst am 07. Dezember 2009

Seit dem 13. Dezember 1999 wird in der Villa ten Hompel Geschichte erforscht, erinnert und vermittelt. Unter der ambitionierten Zielsetzung, "historisch-ethische Orientierungen am authentischen Ort zu geben", nahmen die Mitarbeiter des Geschichtsortes vor zehn Jahren ihre Arbeit auf. "Authentisch" wird der Ort durch seine Vergangenheit: Im zweiten Weltkrieg residierte hier die in den nationalsozialistischen Massenmord involvierte Stelle des regionalen Befehlshabers der Ordnungspolizei. Anschließend war von 1953 bis 1968 die Wiedergutmachungsbehörde der Bezirksregierung im Gebäude untergebracht, welche über die Entschädigungsanträge von ehemals nationalsozialistisch Verfolgten entschied.

Beide "Geschichten" des Hauses werden mit den Dauerausstellungen "Im Auftrag. Polizei, Verwaltung und Verantwortung" seit 2001 und "Wiedergutmachung als Auftrag" seit 2005 entsprechend präsentiert. Eröffnet wurde die Einrichtung jedoch mit der Sonderausstellung "Verfolgung und Verwaltung. Die wirtschaftliche Ausplünderung der Juden und die westfälischen Finanzbehörden", die auch heute noch in unterschiedlichen Städten Nordrhein-Westfalens gezeigt wird. Diese Projekte haben maßgeblichen Anteil daran, in der Villa ten Hompel Verwaltungsgeschichte nachvollziehbar visualisieren zu können und mit ungewöhnlichen Ausstellungsinszenierungen, exemplarischen Medien oder Rollenspielen Besuche für alle Altersgruppen von Grundschulklassen bis zu "Zeitzeugen" ungewöhnlich interessant zu machen.

Doch die Arbeit in der Villa ten Hompel umfasst, wie die drei Leitsätze "Erinnern, Forschen, Lernen" verdeutlichen, weit mehr: In intensivem Austausch mit Universitäten, städtischen Einrichtungen oder der Polizeihochschule, aber auch einem externen Fachbeirat werden Täter- und Opfergeschichte an einem Verwaltungsort erforscht. Auf Grundlage der wissenschaftlichen Ergebnisse kann zum einen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden, zum anderen können diese mit zuletzt 300 Veranstaltungen im Jahr dem bunten Publikum vermittelt werden.

Die Idee, "Wissenschaft nicht nur fürs Kämmerchen, sondern für eine breite Öffentlichkeit" zu betreiben, schlage sich auch in den zahlreichen Veröffentlichungen nieder, so der Gründungsdirektor des Geschichtsortes und Vorsitzende des Arbeitskreises NS-Gedenkstätten in NRW, Prof. Dr. Alfons Kenkmann. Zum einen betreibe man mit der Schriftenreihe "Villa ten Hompel" Geschichtsforschung auf eine grundlegende und wegweisende Art, zum anderen würden diese Erkenntnisse mit der Reihe "didaktische Bausteine" zum Beispiel in die Aus- und Weiterbildung an Schulen und Fachverwaltungen herein getragen.

Nicht nur Untersuchungsgegenstand und –ergebnisse machen die Villa einzigartig in Deutschland, auch das Konzept des Geschichtsortes ist innovativ und wurde inzwischen von mehreren ähnlichen Einrichtungen übernommen. Nicht zuletzt aus diesen Gründen ist die Villa ten Hompel nahezu ausgebucht und "aus dem kulturellen Leben der Stadt Münster und dem Geschichtsunterricht unserer Schulen nicht mehr wegzudenken", resümiert Dr. Andrea Hanke, Beigeordnete für Bildung, Familie, Jugend, Kultur und Sport die Arbeit der ersten Dekade intensiver Forschungs- und Vermittlungsarbeit.

Über den westfälischen Bezug der Einrichtung hinaus findet die Arbeit der Fachleute und einem breiten, engagierten Team um den aktuellen Leiter Christoph Spieker internationale Anerkennung. Gerade für die Zukunft eröffnen sich hier weitere Forschungsfelder. Man müsse die Täterforschung der Polizei auf europäisches Niveau ausweiten, denn "Erinnerung bleibt nicht lokal, sondern wird global", wie Christoph Spieker feststellt. Um dem gerecht zu werden, sind nicht nur große Ausstellungsvorhaben mit Münsters Partnerstädten wie Orleans für das nächste Jahr vorgesehen, sondern auch Projekte mit beispielsweise tschechischen und italienischen Historikern, Jugendlichen und Zeitzeugen geplant. Genauso steht neben der Forschung gerade die Vermittlung von Geschichte durch die Vernetzung zu einer europäischen Erinnerungslandschaft mit unterschiedlichsten Hintergründen vor neuen Herausforderungen.

Unter diesen Erfahrungen und Erwartungen feiert der Geschichtsort Villa ten Hompel nun am 13. Dezember 2009 sein zehnjähriges Bestehen. Ab 11:30 Uhr gedenkt man gemeinsam mit dem Verein für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. an der Stele an der Warendorfer Straße Ecke Kaiser-Wilhelm-Ring der Opfer der Deportationen aus Münster. Anschließend wird ab 12 Uhr mit einer Matinée unter der Überschrift "Obama in Buchenwald: Erinnerungskultur als globaler Auftrag?" der Forschungs- und Bildungsarbeit des Hauses gewürdigt. Auch die Perspektiven für eine international gestaltete Erinnerungskultur und -politik sollen hier offen diskutiert werden. Daher nimmt neben den Mitarbeitern des Geschichtsortes und dem Vorsitzenden des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten in NRW, Prof. Dr. Alfons Kenkmann, auch Prof. Dr. Volkhard Knigge von der Universität Jena / Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora teil. Ebenfalls wird der Oberbürgermeister Markus Lewe anwesend sein.

Veranstaltungsort ist die Villa ten Hompel am Kaiser-Wilhelm-Ring 28, 48145 Münster

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