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„Ich habe einen Namen geerbt.“ – Eine Begegnung mit Hartmut Topf

Verfasst am 28. November 2014

Eine Kooperation zwischen dem Geschichtsort Villa ten Hompel und dem Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg brachte Berufsschülerinnen und Berufsschüler mit Hartmut Topf, Urenkel einer der Firmengründer von Topf und Söhne. Topf und Söhne bauten während des Nationalsozialismus Leichenverbrennungsanlagen für Konzentrations- und Vernichtungslager.

Für den Vormittag des 26. Novembers 2014 hatte Doris Gilhaus, Lehrerin am Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg, eine besondere Begegnung für die Schülerinnen und Schüler einer GärtnerInnenklasse und einer Klasse von Karosserie- und FahrzeugbaumechanikerInnen organisiert. Hartmut Topf war aus Berlin  angereist, um von der Geschichte der Firma seiner Verwandten und der Geschichte des seit 2011 in Erfurt existierenden Gedenkortes zu erzählen.

Zunächst schaute die Gruppe einen Film über die Geschichte der Firma Topf und Söhne, die seit Ende des 19. Jahrhunderts Heizungsanlagen, Brauerei- und Mälzereieinrichtungen und ab 1914 auch Krematorien baute. Die Firma mit Sitz in Erfurt wurde in den 20er Jahren Marktführer für Krematorien und war mit ihren Produkten auf der ganzen Welt vertreten. Der Bau von Krematorien machte aber für die Firma nie mehr als 2-3% des gesamten Umsatzes aus.

Hartmut Topf erzählte ausführlich von der Geschichte der Firma Topf und Söhne. Ihm ist es wichtig, sich mit der Verantwortung von Unternehmerinnen und Unternehmern auseinanderzusetzen.

1939 begannen Ludwig und Ernst Wolfgang Topf, Geschäftsführer und Firmeninhaber in dritter Familiengeneration, damit, die SS mit speziell für die Konzentrationslager gebauten Leichenverbrennungsöfen zu beliefern. Konstruiert wurden die Leichenverbrennungsanlagen von einem bei Topf und Söhne angestellten Ingenieur, Kurt Prüfer.

Quellen belegen, dass die Firma Topf und Söhne vom Massenmord in den Konzentrations- und Vernichtungslagern wusste. Mit dem Bau von Leichenverbrennungsanlagen, die für die schnelle Verbrennung der Opfer des Massenmordes angefertigt wurden, machte sich die Firma mitschuldig an den Verbrechen.

Hartmut Topf hat sich sehr stark für einen Erinnerungsort engagiert. Er habe einen „Namen geerbt“ und fühle sich auch durch ihn verpflichtet, an die Beteiligung der Firma seines Urgroßvaters am Massenmord in den Konzentrations- und Vernichtungslagern zu erinnern. Für seine Verdienste um den Erinnerungsort erhielt er 2007 das Bundesverdienstkreuz.

1999 gründete sich der Förderkreis Topf und Söhne und forderte eine wissenschaftliche Aufarbeitung der  Firmengeschichte. Außerdem forderte der Förderkreis das alte Verwaltungsgebäude der Firma als Ort für Dokumentation und Ausstellungen sowie pädagogische Zwecke zu nutzen.

Nachdem die Gedenkstätte Buchenwald 2002 ein Forschungsprojekt zu Topf und Söhne und 2005 bereits eine internationale Wanderausstellung eröffnet wurde, beschloss 2007 der Erfurter Stadtrat einen Erinnerungsort einzurichten.

Zwischenzeitlich führte auch eine Gruppe von HausbesetzerInnen, die im ehemaligen Verwaltungsgebäude lebten, Führungen und Veranstaltungen zu Topf und Söhne im Nationalsozialismus durch. 2011 wird der Erinnerungsort Topf und Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz in Erfurt eröffnet.

Nach den Ausführungen von Hartmut Topf blieb viel Zeit für Fragen wie etwa: „Wieviel hat die Firma an einem Verbrennungsofen verdient?“ „Hat Ihre Mutter über die Geschichte der Familie etwas erzählt?“ Aber auch Fragen nach der Kindheit während der Nazi-Diktatur und seinem Werdegang nach 1945 beantwortet Hartmut Topf der interessierten Gruppe.

Bleiben werden von diesem Vormittag für die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Eindrücke des Engagements von Hartmut Topf und der Geschichte der Firma Topf und Söhne.  Er hat eindrücklich dargestellt, wie wichtig für Unternehmern und Unternehmerinnen die Auseinandersetzung und Einhaltung einer Betriebsethik ist und für ihn die Beschäftigung mit der Schuld der eigenen Familie.Weitere Informationen zu Topf und Söhne unter: www.topfundsoehne.de


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