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„Geschichte – Gewalt – Gewissen“ Neueröffnung der Dauerausstellung am Sonntag, 29.3.2015, mit Gästen wie Staatsanwalt a.D. Dr. Gabriel Bach, einem der Ankläger im Eichmann-Prozess

Verfasst am 24. März 2015

Am kommenden Sonntag, 29.3.2015 wird mit einem Festakt ab 11 Uhr im Rathaus und dann ab 15 Uhr im Geschichtsort Villa ten Hompel die neue Dauerausstellung „Geschichte – Gewalt – Gewissen“ eröffnet. Die bisher getrennten Ausstellungsthemen „Polizei im Nationalsozialismus“ und „Wiedergutmachung“ wurden nun zusammen mit weiteren, neu erforschten Aspekten der Hausgeschichte wie der „Entnazifizierung“ verflochten und auf innovative Weise erzählt. Deutlich wird damit, dass wir die Geschichte der NS-Verbrechen nur verstehen und die Frage nach ihrer Bedeutung für unsere Gegenwart beantworten können, wenn wir die Vresusche der Vergangenheitsbewältigung in den letzten 70 Jahren auch berücksichtigen.

„Eine europäische Einrichtung mit regionalen Wurzeln“

Wie der Münsteraner Oberbürgermeister Markus Lewe bei der Pressekonferenz zur Eröffnung erklärte, habe sich der Geschichtsort in den letzten 15 Jahren zu einer „europäischen Einrichtung mit regionalen Wurzeln“ entwickelt: Unter städtischer Trägerschaft stehend erarbeitete sich die Villa internationale Aufmerksamkeit für die pädagogische und wissenschaftliche Arbeit und kooperiert heute unter anderem mit der Shoah-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel, dem US Holocaust Memorial Museum Washington oder der polnischen Gedenkstätte Lublin-Majdanek.

Auch dank dieser Netzwerke wird die Eröffnungsveranstaltung am Sonntag prominent besucht sein: Der Einladung des Oberbürgermeisters folgten unter anderem Dr. Noa Mkayton, Leiterin des German Desk der International School for Holocaust Studies in Yad Vashem, sowie Dr. Gabriel Bach, israelischer Generalstaatsanwalt a.D. Der in Deutschland geborene Jurist konnte vor den Nazis fliehen und war einer der Ankläger im Jahrhundertprozess gegen Adolf Eichmann, einen der Hauptorganisatoren des Mordes am europäischen Judentum. An der Teilnehmerliste der Auftaktveranstaltung wird auch die enge Kooperation mit der Polizei in Forschung und Ausbildung deutlich: Bereits sechs Polizeipräsidenten aus NRW haben zugesagt.

Themenvielfalt soll Reflexion über Geschichte und Gegenwart provozieren

Die Mehrfachgeschichte des Hauses, das neben dem Befehlshaber der Ordnungspolizei nach Kriegsende den westfälischen Polizeipräsidenten, zwei Entnazifizierungsausschüsse und ab den 1950ern dann ein Wiedergutmachungsdezernat beherbergte, ist eines der Alleinstellungsmerkmale der Villa ten Hompel.

Fast zwangsläufig ergibt sich auch aus dieser Themenvielfalt, dass der Geschichtsort auch in seiner heutigen Arbeit breit aufgestellt ist: Der Ort bietet nicht nur Raum für Gedenken und Wissen, sondern ermutigt zur Reflexion über die Bedeutung von Geschichte und den Umgang mit gewaltvoller Vergangenheit. Das sollen jetzt auch die neuen Exponate oder bewusst spitz formulierte Raumüberschriften provozieren. Den Titel der neuen Dauerausstellung versteht das Haus daher als Auftrag. „Gerade in einer Zeit, in der ‚Schwarz-Weiß-Analysen‘ wieder zunehmen, kann ein Ort wie die Villa ten Hompel wichtige Korrekturen vornehmen“, betonte Oberbürgermeister Lewe. Dementsprechend sei bei der Neukonzeptionierung der Dialog mit Besuchern besonders wichtig gewesen, fügte der Leiter des Geschichtsorts, Christoph Spieker, dem an, bevor er mit dem Ausstellungsteam um Thomas Köhler, Dr. Bettina Blum und Sabrina Schütze den Oberbürgermeister und Pressevertreter durch die in den letzten Arbeitsschritten befindlichen Räume führte.

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