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Gerda Dubowsky mit 101 Jahren in Israel verstorben Der Lebensweg der Münsteranerin wird demnächst mit einer Sammlung der Historikerinnen Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer recherchierbar sein.

Verfasst am 04. Februar 2015

Gerda Dubowsky geb. Grabe kam als Vollwaise 1925 von Dortmund zur Schwester ihrer Mutter, Lucie Kaufmann (Frau des Rechtsanwalts Ludwig Kaufmann), nach Münster. Nach der Mittleren Reife 1931 an der Annette-Schule besuchte sie die Höhere Handelsschule. Sie engagierte sich im „Sportclub Münster 08“ und war Mitglied einer jüdischen Jugendorganisation. Als sie nach Hitlers Machtübernahme keine Lehrstelle finden konnte, ging sie als Au-pair nach England und von dort mit einer zionistischen Organisation 1934 nach Palästina. Ihr Pflegevater kam um, ihre Pflegemutter überstand verschiedene Konzentrationslager, Cousine und Cousin überlebten in der Emigration (Israel und Schweden).

Gerda Dubowsky geb. Grabe feierte 2013 im Schoß ihrer großen Familie – Kinder, Enkel, Urenkel – ihren 100. Geburtstag. Zu ihrem Festtag hatte sie auch die beiden Historikerinnen aus Münster, Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer persönlich eingeladen. Diese hatten sich im Rahmen ihrer Recherchen für das Projekt „Jüdische Familien in Münster“ im Jahr 1990 erstmals auf den Weg nach Israel gemacht und den Kontakt zur Jubilarin über all die Jahre gehalten. Die Unsicherheit vor der ersten Begegnung nahm ihnen die große, blonde Gerda Dubowsky schnell: Mit freundlichem Blick und lebhaften Gesten empfing sie sie mit offenen Armen. Ihre Herzlichkeit ließ jede Verlegenheit im Nu verschwinden. Nicht nur über ihr eigenes Schicksal berichtete die Zeitzeugin den Historikerinnen, sondern auch über Familienmitglieder, Freunde und Bekannte aus Münster. So kam ein Mosaikstein zum anderen und es entstand im Laufe der Jahre das dreibändige Werk „Jüdische Familien in Münster“.

Gerda Dubowsky war begeisterte/leidenschaftliche Münsteranerin und überzeugte Deutsche: „Heimat“ so versicherte sie 1990, „ist immer noch mein Deutschland gewesen. Da bin ich geboren. Das ist meine Erziehung, das ist meine Sprache. Ich sehe es heute auch noch so.“ Gerne wäre sie nach der Einladung der Stadt Münster 1991 ein weiteres Mal über den Prinzipalmarkt gewandelt oder zum münsterischen Weihnachtsmarkt gegangen, traute sich das aber im fortgeschrittenen Alter nicht mehr zu. Wenige Wochen vor ihrem 102. Geburtstag ist Gerda Dubowsky in Haifa gestorben.

Wer mehr über ihren Lebensweg oder das Schicksal anderer Juden aus Münster erfahren möchte, kann dies demnächst mit Hilfe der Sammlung Möllenhoff/Schlautmann tun. Eine Nutzung dieser einzigartigen Sammlung wird zur Zeit in der Villa ten Hompel vorbereitet.

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