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Gedenken an Opfer der NS-'Euthanasie'-Verbrechen Arbeitsgemeinschaft der Friedensschule Münster übernimmt Patenschaft für einen "Stolperstein"

Verfasst am 17. August 2007

„Hier lebte Alwine L. JG. 1906 - Eingewiesen am 23.1. 1937 - Ermordet 1943 in ‚Heilanstalt’ Scheuern“ – dies steht auf einem der 14 Stolpersteine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig am 15. August 2007 in Münster verlegte. Der Stein, der vor der Kapelle der LWL-Klinik für Psychiatrie liegt, soll an das Schicksal von Alwine L. erinnern, die zwischen 1937 und 1943 hier leben musste. 1943 kam sie in die so genannte "Heilanstalt" Scheuern, in der sie ermordet wurde. Offiziell starb sie an Herzversagen. Sie wurde Opfer der so genannten "wilden Euthanasie" in der NS-Zeit.

Seit dem Jahr 2000 verlegt der Künstler Demnig europaweit Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. In Münster gibt es inzwischen über 100 solcher Steine. Jeder Stein, so Karin Klas vom Verein „Spuren Finden“, soll einem der Opfer den Namen zurückgeben und so das Vergessen verhindern.

Die Verlegung des Steins stellte den Abschluss eines Schulprojektes der jetzigen 10. Klasse der Friedensschule Münster dar. Die Schülerinnen und Schüler der Bischöflichen Gesamtschule hatten sich im vergangenen Schuljahr in einer Arbeitsgemeinschaft (AG) unter der Leitung des Geschichtslehrers Frank Maaßen mit der Thematik „Euthanasie“ im Nationalsozialismus beschäftigt. Dabei analysierten die Jugendlichen nicht nur historische Quellen, sondern interviewten auch Elisabeth Zöller, die Autorin eines Jugendbuches. So beschreibt "Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens", wie die Ausgrenzung eines behinderten Jungen in der NS-Zeit fortschreitet, wie er nur durch Untertauchen dem Abtransport in eine der Mordanstalten entgeht. Der Titel ist bei Fischer Schatzinsel erschienen und wurde als Lektüre in der AG intensiv bearbeitet.

Die Gruppe an der Friedensschule ist aus einer Exkursion nach Weimar und Buchenwald hervorgegangen, die die Schule in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsort Villa ten Hompel und der Akademie Franz Hitze Haus im Rahmen des Projektes „Hinsehen – Nachdenken – Sich Einmischen?!“ durchgeführt hatte. Auch die AG wurde beratend von Stefan Querl, Mitarbeiter der Villa ten Hompel, begleitet.

Während der feierlichen Verlegung des Steins erinnerte Peter Schilling vom Verein „Spuren Finden“ in einer kurzen Ansprache an das Opfer und würdigte das Engagement der Schülerinnen und Schüler. Der Verein kümmert sich u.a. um die in Münster verlegten Stolpersteine und ein Gedenkbuch für das Münsterland. Stellvertretend für alle AG-Mitglieder nahm Mona Semmler die Patenschaftsurkunde für den Stolperstein entgegen. Engagiert haben sich in der AG außerdem Michael Baumgart, Benedikt Bertermann, Jan Brandenburg, Julia Czech, Nadine Denninghaus, Linus Dieckmann, Jana Diecks, Alex Höhne, Maren Kreeter, Sarah Kunze, Andreas Schreider und Marco Sladek.

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