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Echter Friedenswille statt nur Floskeln Jugendliche aus Münster, Lublin und Rishon le Zion zeigen in Israel zurzeit Flagge für eine gemeinsame Erinnerungskultur / „Bildungspartnerschaft“ mit Yad Vashem

Verfasst am 01. Mai 2011

„Shalom“ ist ein Allerweltswort in Israel, ein freundlicher Friedensgruß an jeder Ecke und bei vielen kleinen Gelegenheiten. Rund 40 Jugendliche aus Lublin, Münster und Rishon-le-Zion nehmen den Wunsch und die Botschaft dieser Tage außerordentlich ernst im Nahen Osten – als Ansporn für ihr historisches Arbeiten und für eine Gedenkkultur ohne Floskeln oder enge nationale Grenzen. Ein aufrichtig europäisch-israelisches Erinnern, ein Plädoyer für mehr Toleranz und eine Kultur gegenseitiger Anerkennung hat sich die engagierte Gruppe unter dem Titel „Together for a change“ vorgenommen. Die junge „Triasngel“ zeigt aus Anlass der Geburtstage aller drei Städtepartnerschaften Flagge für eine Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Nahostkonflikt, aber auch mit den Nordafrika-Revolten und der Gewalt gegen Demonstranten in Syrien, die Israel mit Sorge sieht. Schon von daher kein Austausch wie jeder andere, wie die Münster-Delegation jetzt in Rishon als Zwischenbilanz zog.

Wenn am Montag, dem 2.5.2011, überall in Nordrhein-Westfalen die Schule wieder beginnt, hat das Großprojekt nämlich bereits „Halbzeit“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die Oberstufenschüler des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums, ihre Freunde und Kooperationspartner wie die Initiative Homo Faber in Lublin und die Revivim-Highschool in Rishon-le-Zion investierten bewusst ihre freien Tage nach Pessach und Ostern, um u.a. in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem den Workshop fortzusetzen, der im Herbst mit einer Europa-Exkursion und einer historischen Spurensuche zu Verfolgung, Deportationen und anderen Aspekten des NS-Terrors begonnen hatte. Von Münster und der Villa ten Hompel als „Tatort Schreibtisch“ ausgehend hatte die Gruppe Gedenkorte wie Auschwitz und Birkenau im polnischen Oświęcim sowie Terezín/Theresienstadt bei Prag aufgesucht oder sich in Krzyżowa mit dem Vermächtnis des berühmten „Kreisauer Kreises“ im Widerstand gegen das Hitler-Regime befasst. Ohne Tabus im „Trialog“ schlagen die Delegationen jetzt eine eigene Brücke zur Gegenwart, indem die aktuellen arabisch-afrikanischen Freiheitsbewegungen ebenso in den Blick genommen werden wie bisherige Sackgassen und Hindernisse auf dem Weg zu einem deutsch-polnischen Miteinander ohne Missverständnisse oder einer echten israelisch-palästinensischen Koexistenz. Spontan stimmte die Gruppe mitten in Tel Aviv am Mahnmal für ein prominentes Attentatsopfer – den 1995 erschossenen Premier und Nobelpreisträger Rabin – in ein Lied friedensbewegter Israelis ein. Der „Wandel durch Annäherung“, wie Willy Brandt und Egon Bahr ihn einst für West- und Osteuropa forderten, setzt im Projekt konkret ein durch ein ehrgeiziges Rechercheprogramm, das ohne breite Unterstützung unmöglich wäre: Durch die Partnerstädte und Schulen, durch Mittel der Sparkasse Münsterland-Ost, den Förderverein Villa ten Hompel, aber vor allem auch durch das Engagement von Personen wie Bärbel Dahlhaus, stellvertretende Leiterin des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums, und Christoph Schmidt-Ehmcke.
Von der Nahost-Kompetenz des evangelischen Pfarrers aus Münster wird die Delegation in Jerusalem und an den historisch-biblischen Stätten am Toten Meer profitieren. Bereits seit dem Abflugtag dabei sind Oberstudienrätin Margret Flöttmann-Rühl, Referendarin Kim Keen, Stefan Querl aus dem Team der Villa ten Hompel sowie Philipp Adämmer aus Münster, der seine Erfahrungen als Freiwilliger der „Aktion Sühnezeichen“ in das Projekt einbringt. Seitens Homo Faber, Lublin, wirken Kasia Dobek und Magdalena Kawa mit. Als Gastgeber kümmern sich Revivim-Leiterin Vered Marom, Austauschkoordinator Tal Genosar, seine Kollegen sowie die Familien rührend um die polnischen und deutschen Schüler. Sehr herzlich, berichtete das gesamte Team, sei zudem der Empfang in Yad Vashem gewesen: Annette-Gymnasium und Geschichtsort Villa ten Hompel sind seit November 2010 feste Bildungspartner der israelischen Institution, die weltweite Anerkennung genießt.

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