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Digitaler Museumsführer begleitet durchs Haus und durch die Geschichte Multimediale Erweiterung zur Dauerausstellung „Wiedergutmachung als Auftrag“ vorgestellt / Brückenschläge zum Umgang mit Unrecht und Völkermord heute / Modellprojekt für ICOM Europe

Verfasst am 01. August 2007

Über die multimediale Erweiterung informierte sich auch Udo Gößwald, Präsident von ICOM Europe (International Council of Museums). ICOM Europe ist ein internationaler Zusammenschluss der europäischen Museen, der besondere Aktivitäten der Einrichtungen unterstützt und den grenzüberschreitenden Austausch fördert. Udo Gößwald nannte die beiden Dauerausstellungen "Polizei, Verwaltung und Verantwortung" und "Wiedergutmachung als Auftrag" in der Villa ten Hompel in der Bundesrepublik als eine "einmalige Kombination", gerade die Thematik der Wiedergutmachung sei ein wesentlicher Teil der Nachkriegsgeschichte, zudem von großer Bedeutung für die deutsche Außenpolitik, übrigens bis heute.

Die Besucherinnen und Besucher können nun unter anderem mit einem digitalen Museumsführer die Ausstellung "Wiedergutmachung als Auftrag" entdecken, die sich mit der Geschichte der Wiedergutmachung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auseinandersetzt. Der digitale "Guide" ist ein kleiner PC mit Kopfhörern, mit dem sich wahlweise ein Rundgang mit Erläuterungen starten oder aber der Abruf von Daten zu einzelnen Objekten vornehmen lässt.

Bei der Umsetzung des Projektes, das 2006 begonnen wurde, wurde bewusst darauf geachtet, dass die Hörkulisse des digitalen Museumsführers nicht von den eigentlichen Ausstellungselementen ablenkt. Christoph Spieker, Leiter der Villa ten Hompel, betonte, dass der digitale Museumsführer nicht die Ausstellung ersetzen solle, sondern gezielt durch sie hindurchführe.

Udo Gößwald sieht in dem digitalen Museumsführer ein sinnvolles Zusatzangebot der Villa ten Hompel, da es hier für den Besucher verständlich strukturiert aufbereitet wurde. Künftig stehen 15 solcher Geräte den Nutzern zur Verfügung. Eine Auswahl an Fremdsprachen ist für den "Guide" in Planung.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, am PC-Terminal oder im Multimedia-Raum der Villa ten Hompel auf alle in den Ausstellungen befindlichen Objekte, Medien und Informationen zuzugreifen, sowie auf Zusatzmaterial. Zurzeit sind so mehr als 1100 Medien auf Knopfdruck zugänglich. Der Besucher kann sich beispielsweise Filme anschauen, die nicht in der Ausstellung gezeigt werden - wie etwa eine Aussage des ehemaligen katholischen KZ-Häftlings Franz Ballhorn bei einem Prozess gegen zwei Bewacher des Lagers Sachsenhausen. Mit Hilfe der PC- Anwendungen können die Besucherinnen und Besucher nach Belegen und Bezügen sowie auch nach weiteren Dokumenten und Quellen recherchieren. Hier besteht auch die Möglichkeit sich über aktuelle Facetten der Thematik "Wiedergutmachung" zu informieren – beispielsweise durch Brückenschläge in andere Regionen und Nationen der Erde, die Unrechtsregime "aufarbeiten" oder "bewältigen" mussten. Die Bezüge zu diesen Geschichts- und Gegenwartsthemen wurden von Daniel Gollmann erarbeitet, die Datenbank für die Recherche stellte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Karin Berz zusammen. Julia Volmer-Naumann, die im wissenschaftlichen Team der Villa ten Hompel an der Gestaltung beider Dauerausstellungen maßgeblich beteiligt war, erarbeitete das Gesamtkonzept der multimedialen Erweiterung sowie deren Inhalte und Texte.

Das Gesamtprojekt erfolgte in Kooperation mit Professor Norbert Nowotsch von der Fachhochschule Münster, Abteilung Design, und Manfred Hendricks von der Firma SNT Media Concept, die zuständig für die technische Realisierung war. Die multimediale Erweiterung wurde allein von Land und Bund mit 90.000 € und von der Stadt Münster mit 30.000 € finanziert.

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