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"Die Mauer muss weg". Sprayer bilden Symbol der deutschen Teilung nach Projektpremiere von Villa ten Hompel und Franz Hitze Haus

Verfasst am 25. Januar 2007

Mauerspechte? Nein, Mauersprayer, und zwar völlig legal und künstlerisch kreativ: Bennet Grüttner (r.) und Jan Schnieder aus Münster bildeten jetzt im offiziellen Auftrag von Geschichtsort Villa ten Hompel und Akademie Franz Hitze Haus einen Teil des vermeintlich "antifaschistischen Schutzwalls" (SED-Jargon) aus Pappkartons nach. Als Blickfang und Materialfundus kommen die bunt besprühten Kisten im neuen Aufarbeitungsprojekt "DDR - das Leben der 'Anderen'" symbolträchtig zum Einsatz.

Erstmals bieten die beiden Bildungshäuser an diesem Wochenende eine Gedenkstättenfahrt zur Erinnerung an Opfer der SED-Diktatur an. Die Exkursion führt Oberstufenschüler sowie Lehrer des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums und des Immanuel-Kant-Gymnasiums Hiltrup nach Berlin. Als NRW-weit Weg weisendes Pilotprojekt unterstützt die Landeszentrale für politische Bildung die Entwicklung dieser historischen Seminarreihe (wie berichtet).

Die "Mauer"-Nachbildung wurde dabei in Münster mit Hilfe der Ordnungspartnerschaft Graffiti, der Jugendgerichtshilfe und ihres

Fördervereins ermöglicht. Der Zusammenschluss "Erhaltet den Hawerkamp" e.V. mit Triptychon und Sputnikhalle gab spontan ein Gelände für die aufwändigen Gestaltungsarbeiten frei. Wobei die Auftraggeber aus Villa ten Hompel und Franz Hitze Haus besonderen Wert auf geschichtliche Genauigkeit legten. Ist doch nur die "Westseite" mit Graffitis übersäht, denn für Menschen in der DDR war die eigentliche Mauer wegen des lebensgefährlichen Grenzstreifens in aller Regel unerreichbar.

Vor diesem historischen Hintergrund wird im Seminar am Vorbereitungstag in Münster auch der Umgang mit den harmlos und "stylish" wirkenden "Betonblöcken" und mit Original-Relikten durchaus sehr ernsthaft und heftig diskutiert. So mahnen allein über 1000 Tote an der innerdeutschen Grenze vor 1989/90, die Teilung und das bis heute Trennende zwischen West und Ost endlich auch in den Köpfen vieler Menschen zu überwinden.

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