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Der Großonkel als "größter Massenmörder aller Zeiten" Katrin Himmler demontiert durch beharrliches Forschen und Fragen die Mauern des Schweigens und Mythen in der eigenen Familiengeschichte. Am Mittwoch, 15. Februar, um 20 Uhr stellt die Berliner Buchautorin „Die Brüder Himmler“ in der Villa ten Hompel vor.

Verfasst am 09. Februar 2006

Sie war 15 Jahre alt, als ein Mitschüler im Geschichtsunterricht sie plötzlich auf den Kopf zu fragte: „Bist Du eigentlich verwandt mit dem Himmler?“ Katrin Himmler bejahte mit großem Kloß im Hals, während die Lehrerin das betretene Schweigen in der Klasse schnell zu überspielen suchte. Nach dieser Konfrontation in der Schule war es ein langer, anstrengender Weg, ein Überwinden von Widerständen und ein Wechselbad der Gefühle bis zu dem Forschungsbericht „Die Brüder Himmler“, den die Berliner Diplom-Politologin, Historikerin und Physiotherapeutin, Jahrgang 1967, vor wenigen Monaten bei S. Fischer in Frankfurt veröffentlicht hat.

Am Mittwoch, 15. Februar, ab 20 Uhr wird die Autorin ihren Titel am Geschichtsort Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28 in Münster, zur Diskussion stellen und Fragen zur Familiengeschichte der Himmlers beantworten. Der Eintritt zu dieser Lesung, die Geschichtsort Villa ten Hompel (Stadt Münster) und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Münster gemeinsam organisieren, ist frei.

Katrin Himmler ist die Enkelin von Ernst Himmler, dem jüngeren, seit 1945 offiziell vermissten Bruder von Heinrich Himmler, damit die Großnichte des „Reichsführers-SS und Chefs der Deutschen Polizei“, den nicht nur sie selbst als den „größten Massenmörder aller Zeiten“ bezeichnet. Im Generationengespräch daheim galt Heinrich Himmler nach ihren Worten lange als der „ungeratene“ Außenseiter der humanistisch gebildeten Familie, wobei Katrin Himmler durch beharrliches Forschen und Fragen gewisse Mythen und Mauern des Schweigens – eben auch innerhalb der eigenen Verwandtschaft – zu Fall bringen konnte. Analytisch-kritisch deckt sie die Verstrickungen der drei Brüder Himmler auf. Sie belegt durch Akten, Briefe, Quellen aus dem Privatbesitz und andere Aussagen, wie früh und intensiv auch Ernst und Gebhard junior der völkischen Ideologie nacheiferten und wie sie jeweils von den politischen Verhältnissen nach 1933 und von den Beziehungen ihres mächtigen Bruders profitierten. Von Heinrich Himmler führten dienstliche Verbindungslinien auch direkt zum NS-Schreibtisch-Tatort Villa ten Hompel in Münster. In ihr hatte zur Kriegszeit der „Befehlshaber der Ordnungspolizei“ (BdO) für den Wehrkreis VI, Rheinland, Westfalen, Nachbarregionen u. besetzte Gebiete, residiert.

Das Buch „Die Brüder Himmler“ ist im Handel zum Preis von 19,90 € erhältlich. Die beiden Ausstellungen in der Villa ten Hompel sind am Mittwoch ab 18 Uhr geöffnet (Eintritt ebenfalls frei). Frühes Erscheinen zur Lesung ist wegen der begrenzten Platzzahl sehr zu empfehlen. Reservierungen sind leider nicht möglich.

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