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Als Künstler gegen den Krieg - Picasso, der spanische Bürgerkrieg und die Entstehung des "Guernica" Mittwochsgespräch in der Villa ten Hompel mit Vorträgen und Diskussion über das berühmte Gemälde

Verfasst am 14. Oktober 2009

Über die Entstehungsgeschichte des Gemäldes "Guernica" referierte beim letzten Mittwochsgespräch vor den Herbstferien in der Villa ten Hompel Prof. Dr. Ludger Mees von der Universität Bilbao (Baskenland). Der Historiker informierte über wichtige Fakten des spanischen Bürgerkrieges bis zur Zerstörung der Stadt Guernica, Picassos Erschütterung über die schrecklichen Ereignisse, die er in seinem Kunstwerk zum Ausdruck brachte, sowie die Rezeption des Bildes im 20. Jahrhundert.

1936 beauftragte die spanische Regierung den Künstler Pablo Picasso, eine 27 Quadratmeter große Fläche für den repräsentativen Pavillon der geplanten Weltausstellung 1937 in Paris zu gestalten. Zu einer Zeit, als der spanische Bürgerkrieg gerade mit brutaler Härte ausbrach, begann Picasso mit der Arbeit. Mitten in seine erste Schaffensphase traf am 26. April 1937 ein Luftangriff der deutschen Legion Condor auf die Stadt Guernica. Das verheerende Bombardement veranlasste Picasso dazu, seine bisherigen Pläne für den Auftrag zu verwerfen. Er hatte erfahren, dass die Stadt bei dem Großangriff fast vollständig zerstört worden war, über 1000 Menschen starben. Picasso beschloss, ein Zeichen zu setzen und fertigte daraufhin das heute unter dem Titel "Guernica" bekannte Gemälde an.

Noch im Juli 1937 stellte Picasso das Bild fertig, um mit der Eröffnung der Weltausstellung seine künstlerische Antwort auf das Ereignis einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. Doch diese zeigte sich gnadenlos in ihrer Kritik. Picasso hatte sich abgewandt von der üblichen Kriegsdarstellung und die Opfer in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, indem er eine Apokalypse mit all ihren Grausamkeiten in abstrakter Form gezeichnet hatte. Wie Mees erläuterte, zeigen die zahlreichen negativen Reaktionen, dass das Gemälde seiner Zeit voraus war. Erst 1981 kehrte es zurück nach Spanien. Picasso hatte in seinem Testament verfügt, dass nur eine zukünftige spanische Republik dieses Bild als mahnendes Antikriegsbild verstehen und Wert schätzen könne. Mittlerweile gehört das Reaktionswerk Picassos zu den bekanntesten Gemälden weltweit und ziert als Kopie den Vorraum des Sitzungssaales des UN- Sicherheitsrates in New York.

Bei der abschließenden Diskussion in der bis auf den letzten Platz ausgebuchten Villa ten Hompel gab Professor Mees weitere, bislang kaum bekannte Einblicke in das Leben des Künstlers und hinterfragte gemeinsam mit den Gästen die Gründe für die Zerstörung der Stadt Guernica.

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