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Als Kind im KZ Workshop der Villa ten Hompel sensibilisiert für Traumata von NS-Verfolgten

Verfasst am 05. Mai 2014

Als Kind KZ-Haft und Folter erlitten, anders als die eigenen Elternjedoch überlebt zu haben, hinterlässt schwere Narben an Körper und Seele. Die polnische Zeitzeugin Anna Stachowiak sprach kurz vor ihrem 80. Lebensjahr mit Stefan Querl, dem stellvertretenden Leiter der Villa ten Hompel, über Flucht, Verstecke und die Verschleppung ihrer Familie unter beiden Regimen vor 75 Jahren im damals besetzten Polen, der NS-Herrschaft und den Sowjets.

Nach einigem persönlichen Ringen entschloss sich die Dame, dem städtischen Geschichtsort in Münster wertvolle historische Gegenstände und private Informationen in Interviewform zur Verfügung zu stellen, um Schüler in Münster auf Gedenkstättenprojekte vorbereiten zu helfen. "Wenn ich die deutsche Sprache höre, überkam mich lange Zeit später immer noch ein mulmiges Gefühl", gesteht Anna Stachowiak auf Polnisch ein. "Dabei ist mir doch klar, dass die Ängste heute unbegründet sind und dass Deutschland seit der Wiedervereinigung viel leistet, um über die Vergangenheit und die Verbrechen im Krieg intensiv aufzuklären. Wir Zeitzeugen wissen das sehr zu würdigen."

Reisen, öffentliche Termine, Auftritte in Schulen meidet die bescheidene Vertrauensfrau des katholischen Maximilian-Kolbe-Werkes, da sie diese recht viel Kraft kosten. Lieber organisiert sie für die internationale Hilfsorganisation ehemaliger KZ- und Ghetto-Häftlinge Unterstützung im Stillen in Szczecin, dem früheren Stettin. Sie besucht, berät und betreut pflegebedürftige NS-Opfer in Pommern, da sie im Vergleich zu vielen anderen, deutlich älteren Leidtragenden des Hitler-Stalin-Paktes 1939 und der folgenden Massendeportationen im besetzten Polen rüstiger und gesundheitlich stabiler ist.

In Auschwitz wurde Anna Stachowiak 1945 befreit und kam als Waisin in Kinderheimen und Klöstern unter. Ihre Mutter starb im Frauen-KZ Ravensbrück in Brandenburg. Den Vater brachten kommunistische Geheimkommandos unter russischem Befehl in Katyn um. Ihr Bruder wurde aus dem Lager Mauthausen entlassen, erholte sich jedoch nie richtig und wurde krank.

Stefan Querl, der ehrenamtlich Leitungsgremien des Maximilian-Kolbe-Werkes angehört und Zeitzeugen für die Villa ten Hompel begleitet, darf am 21. Mai in Düsseldorf zum Start der neuen nordrhein-westfälischen Bildungspartnerschaft „Gedenkstätte und Schule“, die von der Landesregierung ausgelobt wird, in einem Workshop von den Erfahrungen Anna Stachowiaks berichten. Der 39-Jährige wird Lehrkräfte in dem Fortbildungs- und Sensibilisierungsangebot auf heikle Themen, Traumata, Tabus bei Zeitzeugen-Gesprächen aufmerksam machen.

Infos und Anmeldungen zum Auftaktkongress über http://www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de/

 



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