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10 Jahre Riga-Komitee Winfried Nachtwei reflektiert über "Erreichtes und Zukünftiges" in der Villa ten Hompel

Verfasst am 15. September 2010

Das am 23. Mai 2000 in Berlin gegründete "Deutsche Riga-Komitee" hat sich die Erinnerung an die von 1941 bis 1944 nach Riga verschleppten und dort ermordeten Juden und die Pfleger der Gräber- und Gedenkstätten in Riga zum Ziel gesetzt. Initiiert vom Präsidenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgrüberfürsorge und unter der Schirmherrschaft vom ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau gehören 13 deutsche Großstädte wie Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Kassel, Köln, Leipzig, Stuttgart, aber auch Münster, Osnabrück und Bielefeld zu den Gründungsmitgliedern.

Zehn Jahre später sind bereits 38 Städte im Komitee vereint. Diese versuchen durch Initiativen, Projekte, Ausflugsfahrten und persönliche Kontakte die Erinnerung an die etwa 25.000 nach Riga Verschleppten, von denen bis auf wenige Überlebende die allermeisten in Riga nach Massenerschießungen im Wald in Bikernieki ermordet wurden, zu bewahren.

Nachtwei reflektiert 10 Jahre "Riga-Komitee"

Am 14. September hielt der ehemalige Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei in der Villa ten Hompel einen Vortrag mit dem Titel "10 Jahre Riga-Komitee. Erreichtes und Zukünftiges". Ausgerichtet wurde der Abend durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e V., Gegen Vergessen – für Demokratie e. V. und durch den Geschichtsort Villa ten Hompel. In seinem Vortrag stellte Nachtwei die Erinnerungsreise des Riga-Komitees und des Volksbundes im Juli 2010 dar. Die einzelnen Orte, die die Delegation aufsuchte, verknüpfte Nachtwei dabei mit Erläuterungen zur Geschichte der Schoa in Lettland und mit der Darstellung der Riga-Deportationen, welche den Beginn des Massenmordes an den deutschen und europäischen Juden darstellt (weitere empfehlenswerte Beiträge können auf der Webseite von Winfried Nachtwei abgerufen werden). Wie der Referent betonte, dürften wir jedoch "über die Erinnerung an Verstorbene nicht die Solidarität mit den Überlebenden vergessen".

Im Laufe der Zeit haben die wenigen Zeitzeugen zunehmend gesundheitliche und altersbedingte Beschwerden. Daher dürften die Zahlungen seitens der BRD, so mahnte Nachwei, nicht stagnieren. Vielmehr müsste eine Erhöhung angestrebt werden. Ferner wies er darauf hin, dass im Jahr 2011 der Beginn der Deportationen 70 Jahre zurückliegen wird. Diesen Jahrestag sollten die Mitglieder/-innen des Komitees dazu nutzen, in stärkerem Maße die Öffentlichkeit über die Vergangenheit und die Gegenwart in Lettland zu informieren.

Angeregte Diskussion

In der dem Vortrag folgenden regen Diskussion wurde dieser Vorschlag aufgegriffen. So wurde zunächst die Möglichkeit von Neuaufnahmen in das Komitee begrüßt, da diese stets in den jeweiligen Städten zu einer Belebung von Projekten führten und gleichsam als "Initialzündung" fungierten. So würden Fahrten organisiert, Schüler/-innengruppen zu Nachforschungen über die Geschichte jüdischen Lebens in der eigenen Region angeregt oder Kontakte nach Lettland und zu den jüdischen Gemeinden sowohl geknüpft als auch ausgebaut.

Kritisch angemerkt wurde, dass es im Ghetto in Riga, der so genannten "Moskauer Vorstadt", keine Gedenkstätte für die Deportierten gebe. Auch wurde aus dem Plenum vom "Parallelleben der jüdischen und lettischen Gesellschaft" gesprochen und ein Nebeneinander statt Miteinander beklagt. Im Verlauf der Diskussion kam die Idee auf, die verschiedenen Erinnerungskulturen Europas über einen gemeinsamen Zugang zu vereinen. Hier könnten insbesondere die Deportationsorte, welche ein europäisches Phänomen seien, als gemeinsam Gedenkorte ausgebaut werden.

Angeregt debattierte das Plenum zudem über die Möglichkeiten, die Kommunikation des Riga-Komitees sowohl zwischen den Mitgliederstädten und Organisationen als auch zur lettischen Seite – gerade anlässlich des zehnjährigen Jubiläums – zu intensivieren. Dieser letzte Gesprächsansatz wurde von den Teilnehmer/-innen aus der Diskussion in kleinere Gesprächsrunden mitgenommen und wird sicherlich auch in Zukunft eine zentrale Rolle für die Weiterentwicklung des Komitees spielen.

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