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Schräge Orte - Starke Plätze Der WDR5 zu Besuch in der Villa Merländer, Krefeld

Verfasst am 11. Juli 2005

Unter dem Titel "Schräge Orte -Starke Plätze" präsentiert Scala, das Kulturmagazin von WDR5 während seiner Sommertour 2005 Kurioses und Entlegenes in NRW. Am Freitag, 29. Juli 2005 beschäftigt sich Thomas Hackenberg in seiner Reportage "Kunst statt Tapete - Die Wandmalereien Heinrich Campendonks" mit der Villa Merländer, Krefeld.

Dem Krefelder Seidenhändler Richard Merländer ging es gut im Jahr 1925. Als wohlhabender Junggeselle bewohnte er eine eigene Villa und empfing gerne Freunde zum Kartenspiel in seinem Spielzimmer. Und er war kunstsinnig, denn er beauftragte den Maler Heinrich Campendonk mit der Bemalung der Wände von Speise- und Spielzimmer. Campendonk, der mit Unterstützung von Wassily Kandinsky und Franz Marc Anschluss an die Künstlergruppe fand, die unter dem Namen "Der blaue Reiter" bekannt wurde, wählte Motive, die für ihn typisch sind, den Harlekin, Fische, Katzen, aber auch Gegenstände, die auf Merländer, seinen Luxus und seine Spielleidenschaft verweisen.

Im Jahre 1938 wurde Richard Merländer aufgrund seiner jüdischen Herkunft gezwungen seine Villa zu verkaufen. Während Merländer im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und wenige Monate später im Vernichtungslager Treblinka umgebracht wurde, ging Heinrich Campendonk, dessen Bilder und dem Schlagwort "Entartete Kunst" diffamiert wurden, schon 1934 ins niederländische Exil, wo er bis zu seinem Tod 1957 blieb. Die Villa wechselte nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten mehrfach den Besitzer, und dabei gingen im Laufe der Jahre die Malereien des Speisezimmers verloren; nur die Ausmalung des Spielzimmers blieb erhalten, weil sie schon wenige Jahre nach ihrer Entstehung überklebt wurde. In den 1990er Jahren haben Handwerker sie bei Renovierungsarbeiten wieder entdeckt und freigelegt.

Sendetermin: WDR5, Freitag, 29. Juli 2005, 12:05-13:00 Uhr und 21:05-22:00 Uhr.

Reporter: Thomas Hackenberg

Moderation: Patrick Ehinger

Redaktion: Winfried Fechner

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