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Kultur als Rettungsanker? Deutsche Juden im Ghetto Theresienstadt

Verfasst am 25. Mai 2009

Zu einer Vortragsveranstaltung mit der tschechischen Wissenschaftlerin Anna Hájková lädt die NS-Dokumentationsstelle am Donnerstag, dem 4. Juni, 19.30 Uhr in die Villa Merländer, Friedrich-Ebert-Str. 42, 47799 Krefeld, ein. Sie beschäftigt sich mit dem Überleben der deutschen Juden im Ghetto Theresienstadt.

Theresienstadt wurde im November 1941 zu einem Transitghetto für alle Jüdinnen und Juden aus dem so genannten Protektorat. Die Kleinstadt Theresienstadt/Terezín wurde in ein Lager umgewandelt, in das 1942 auch über vierzig tausend alte und „verdiente“ jüdische Menschen aus ganz Deutschland und Österreich deportiert wurden. 223 kamen aus Krefeld, einer davon war Richard Merländer.

In dem neugeschaffenen Ghetto waren die Lebensbedingungen unbeschreiblich. Die mangelnde Versorgung - selbst an Trinkwasser mangelte es - führte zu Krankheiten und einer hohen Sterblichkeit. Ständige Deportationen in andere Arbeits- und Vernichtungslager bedrohten die Ghettobewohner. Trotzdem gelang einigen das monate- oder sogar jahrelange Überleben in einer multikulturellen und überraschend friedlichen Zwangsgemeinschaft. Zeugnisse der kulturellen Selbstorganisation sind für Theresienstadt mannigfach überliefert. Anna Hájková zeigt in ihrem Vortrag den Spielraum, Wahrnehmung und Dynamik der deutschen Juden in der Theresienstädter Häftlingsgemeinschaft.

Anna Hájková geb. 1978 in Prag, studierte Geschichte an der Humboldt-Universität, Berlin und der Universiteit van Amsterdam. Sie ist Mitarbeiterin des tschechischen Instituts Theresienstädter Initiative, und Mitherausgeberin des Jahrbuchs Theresienstädter Studien und Dokumente. Frau Hájková promoviert zur Sozialgeschichte Theresienstadts an der University of Toronto, Kanada. Sie ist auch Mitglied des Kuratoriums der Sommeruniversität der Gedenkstätte Ravensbrück.

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