Inhalt

Wissenswertes Informations- und Gedenkstätte Stalag VI A Hemer

Entstehung

Historische schwarz-weiß-Aufnahme. Die Kleidung der Gefangenen ist mit der Kennzeichnung "SU" für "Sowjetunion" versehen.

Befreite Kriegsgefangene auf dem Hauptplatz des Lagers am 1. Mai 1945.

Mit der Befreiung des Lagers wendete sich das Los für viele Kriegsgefangene, vor allem aus Osteuropa, nicht schlagartig zum Guten. Zusammen mit vielen zivilen Fremdarbeitern sowie ausländischen Insassen von Konzentrations- und Internierungslagern wurden sie zu "Displaced Persons" (DPs), d. h. zu Menschen, die bei Kriegsende "am falschen Platz" waren und von den Alliierten auf reichsdeutschem Gebiet oder in besetzten Gebieten aufgefunden wurden. Der Kasernenkomplex wurde unter dem Namen "Camp Roosevelt" in ein Lager für Dis-placed Persons umgewandelt. Für die Repatriierung der Sowjets wurde Hemer für kurze Zeit ein regional bedeutsames Rückführungszentrum. Aus der Umgebung wurden die sowjetischen DPs nach Hemer gebracht, im Camp Roosevelt vom Repatriierungs-kommando erfasst und in großen Transporten nach Frankfurt/Oder geschickt.

Bis Ende August 1945 war das "Camp Roosevelt" von den letzten russischen Armeeangehörigen geräumt. Die Britische Rheinarmee übernahm die Gebäude und richtete dort zur Internierung von Personen, die in das verbrecherische Regime des Nationalsozialismus verstrickt waren, das Internierungslager (Civil Internment Camp) Nr. 7 ein. Dieses Lager bestand bis Ende September 1946 und hatte eine Belegung von 2.000 bis 3.500 Personen.

Von 1946 bis 1955 wurde die Kaserne von belgischen Besatzungstruppen genutzt, bevor 1956 schließlich die Bundeswehr den Komplex übernahm. Die dort eingerichtete Panzerkaserne wurde 1964 in "Blücher-Kaserne" umbenannt und mehrfach renoviert. Sie wird bis heute als Bundeswehrstandort genutzt.

Von 1946 bis 1955 wurde die Kaserne von belgischen Besatzungstruppen genutzt, bevor 1956 schließlich die Bundeswehr den Komplex übernahm. Die dort eingerichtete Panzerkaserne wurde 1964 in "Blücher-Kaserne" umbenannt und mehrfach renoviert. Sie wird bis heute als Bundeswehrstandort genutzt.

Die Erinnerung an das Stalag VI A wurde lange Zeit nur durch die Friedhöfe mit den auf Weisung der Sowjets errichteten Denkmälern wachgehalten. Die Bevölkerung der Stadt Hemer hatte die Beschäftigung mit dem Stalag über Jahrzehnte weitgehend verdrängt. Erst die "Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung Hemer" bewirkte ab 1982 mit Gedenkveranstaltungen auf dem Duloh-Friedhof sowie mit der Herausgabe einer Dokumentationsschrift die kritische Aufarbeitung der Geschichte. Nachdem Öffentlichkeit, Politik, Verwaltung und Bundeswehr den Aktivitäten der Friedensinitiative anfangs sehr kritisch gegenübergestanden hatten, beteiligten sich die Stadt Hemer ab 1987 und die Bundeswehr ab 1988 an den Gedenkveranstaltungen.

Am 22. November 1992 konnte unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, der Bundeswehr und zahlreicher Gäste an der Blücher-Kaserne ein Denkmal zum Gedenken an die Opfer des Stalag VI eingeweiht werden. Es symbolisiert die Abgrenzung der Gefangenen im Lager wie durch eine feste Mauer, die ein unüberwindliches Hindernis bildet, der Stätte der Unfreiheit, der Qualen und des Todes zu entkommen. Das vergitterte Tor symbolisiert das Tor zum Leben, das für die Menschen im Lager verschlossen war. Der Vorplatz der Gedenkstätte wurde mit Steinen aus Granit gepflastert, die aus der Ostenschlahstraße herausgenommen wurden. Über diese Steine sind Hunderttausende gequälter Menschen gezogen, Tausende wurden hierüber zu den Friedhöfen gefahren. Am 22. November 2000 wurde das Denkmal in einer Feierstunde um zwei Informationstafeln aus Messing ergänzt.

"Bürger und Soldaten unserer Stadt haben die Initiative ergriffen, am historischen Ort des Kriegsgefangenenlagers Stalag VI A zur Erinnerung an das Leiden und Sterben der Menschen hinter dem Stacheldraht eine Gedenkstätte zu schaffen. Vielen Gefangenen zahlreicher Nationen - in der Mehrzahl Russen - war es versagt, dieses Tor zu Leben und Freiheit zu durchschreiten, denn Menschenverachtung, Entbehrungen, Hunger und Krankheiten brachten viel tausendfachen Tod. Sie ruhen in der Erde dieser Stadt und sind uns anvertraut. Sie haben ein Recht auf unser Gedenken und mahnen uns, nie wieder solche Stätten der Menschenverachtung und des Todes zuzulassen. Das neue Mahnmal will als Versöhnungsstätte und nicht als Stein gewordene Anklage verstanden sein."

(Aus dem Dankesbrief an die Spender für den Bau der Gedenkstätte 1992)

"Die Einrichtung dieses Mahnmals vor der Blücher-Kaserne soll dauerhaft Mahnung und Herausforderung sein, totalitären und extremistischen Entwicklungen entgegenzutreten. [...] Gedenken, sich Gedanken machen, genau hinsehen, erkennen und vielleicht dadurch auch sich selbst und seine eigenen Vorurteile und Fehlurteile kennen lernen scheint mir deshalb wichtig. Nur so werden Toleranz und Zivilcourage möglich. Persönliche Erfahrungen und Betroffenheiten dürfen nicht im Laufe der Zeit einfach verblassen und verschwinden. Sie müssen einen Ort der Dokumentation und des Erinnerns haben. Gedenken bedeutet für mich: Wir haben die Opfer nicht vergessen, wir wollen versuchen, aus der Vergangenheit zu lernen und vor allem den Mut aufbringen, es nie wieder zuzulassen."

(Bürgermeister Heinz Öhmann bei der Einweihung der Messingtafeln im Jahr 2002)

Am 14. April 1995 konnte ein von der Bundeswehr an der Wache der Kaserne eingerichteter Gedenkraum der Öffentlichkeit übergeben werden. Zeitgleich erschien das von Mitgliedern des Arbeitskreises Stalag VI A verfasste Buch "Stalag VI A Hemer. Kriegsgefangenenlager 1939-1945. Eine Dokumentation", das zum erstem Mal die wesentlichen historischen Fakten zur Lagergeschichte zusammenfasste. Es folgten im Jahr 1996 eine russischsprachige Fassung sowie im Jahr 2000 eine Broschüre als Begleitschrift für den Besuch der Gedenkstätte und der beiden Friedhöfe.

Im Jahr 1993 konstituierte sich der "Arbeitskreis Stalag VI A" mit dem Ziel, die Geschichte des Stalags wissenschaftlich aufzuarbeiten. Im Laufe der Jahre erwies es sich jedoch als notwendig, diesen Arbeitskreis, der aus einem "harten Kern" locker organisierter Geschichtsinteressierter bestand, angesichts der anstehenden Aufgaben auf eine breitere personelle Basis zu stellen und unter dem Dach eines eingetragenen Vereins neu zu organisieren. So entstand im Jahre 2005 der "Verein für Hemeraner Zeitgeschichte e.V.", worin der Arbeitskreis schließlich aufging. Der VHZ fühlt sich besonders dem Gedenken an die Opfer des Stalag VI A verpflichtet. Er widmet sich der Betreuung und konzeptionellen Weiterentwicklung einer Daueraustellung in Hemer und will die Erhaltung des Mahnmals sichern. Im August 2006 veröffentlichte der Verein für Hemeraner Zeitgeschichte e.V. die zweite überarbeitete Auflage der Begleitschrift.