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Neue DVD-Edition "Kriegsgefangen! Bilder aus dem Lager Hemer" Veröffentlichung des LWL-Medienzentrums anlässlich der Neueröffnung der Dokumentations- und Erinnerungsstätte Stalag IV A

Verfasst am 03. Mai 2010

Am 14. April 1945 befreiten amerikanische Truppen das Kriegsgefangenenlager im sauerländischen Hemer. Es war eines von neun Mannschaftsstammlagern – kurz „Stalags“ genannt – im Wehrkreis VI Münster und gehörte zu den größten Lagern im Deutschen Reich. Weit über 200.000 Kriegsgefangene waren von September 1939 bis April 1945 dem Lager Hemer unterstellt. Unter unmenschlichen Bedingungen wurden Menschen aus verschiedenen Nationen dort gefangen gehalten – Hunger, Krankheit und Erschöpfung kosteten viele Gefangene das Leben. Besonders schlimm war das Los der Sowjetsoldaten, die ab Oktober 1941 im Stalag VI A inhaftiert waren und unter brutaler Willkür zu leiden hatten.

Die Erinnerung an das Stalag VI A wurde lange Zeit nur durch die Friedhöfe mit den auf Weisung der Sowjets errichteten Denkmälern wachgehalten. Die Bevölkerung der Stadt Hemer hatte die Beschäftigung mit dem Stalag über Jahrzehnte weitgehend verdrängt. Erst die "Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung Hemer" bewirkte ab 1982 erste Schritte einer kritische Aufarbeitung. Nachdem Öffentlichkeit in der Stadt Hemer, Politik, Verwaltung und Bundeswehr den Aktivitäten der Friedensinitiative anfangs sehr kritisch gegenübergestanden hatten, beteiligten sich die Stadt Hemer ab 1987 und die Bundeswehr ab 1988 an den Gedenkveranstaltungen.
1992 schließlich konnte das erste Denkmal eingeweiht werden, dem später Informationstafeln und ein Gedenkraum folgten. Verschiedene Initiativen wie auch der "Verein für Hemeraner Zeitgeschichte e.V." bemühen sich seitdem um die geschichtliche Aufarbeitung, und so konnte diesen März anlässlich der Landesgartenschau in Hemer die neue Informations- und Gedenkstätte Stalag VI A im Stadtarchiv Hemer eröffnet werden. Hier beleuchten neben einem mehr als 6 Quadratmeter großen Modell des ehemaligen Lagers Fotos, Dokumente und Exponate die Geschichte des Stalag VI A. Nach der Zeit als Kriegsgefangenenlager wurde der Ort als Kaserne und Militärgelände genutzt, aktuell wird genau hier die Landesgartenschau gezeigt. Auch während dieser Veranstaltungen erzählen Zeitzeugen Schulklassen und anderen Interessierten von ihrem Leben in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Kriegsgefangenenlager. Doch nach Wunsch von Stadtarchivar Eberhard Thomas möchte man die Ausstellung weiterhin ausbauen. So werden beispielsweise noch Erinnerungsstücke aus dieser Zeit gesucht.

Auch die DVD „Kriegsgefangen! Bilder aus dem Lager Hemer“ soll die Dokumentation fördern und damit die Erinnerung an dieses lange verdrängte Kapitel deutscher Geschichte wach halten. Die DVD-Edition ist die Neuauflage einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1995 von der damaligen Landesbildstelle Westfalen: Zu sehen sind vor allem Filmaufnahmen des Wachsoldaten Hugo Filbrich, der 1940/1941 im Lager Hemer stationiert war. Durch das Kameraauge dieses Amateurfilmers wird eine authentische Perspektive fern der allseits bekannten NS-Propaganda sichtbar – der zeitgenössische Blick eines deutschen Soldaten auf die Zustände im Lager. Aber auch Filbrichs Bilder zeigen nicht die ganze Wirklichkeit, sondern nur die vergleichsweise harmlose Lagersituation der Jahre 1940/41 – und auch diese nur aus der spezifischen Sicht eines Wachsoldaten. Filbrichs Material wurde deshalb bereits 1995 um einen kritischen Kommentar und um Fotos ergänzt, die US-Kameraleute unmittelbar nach der Befreiung aufgenommen hatten. Sie offenbaren die katastrophalen Zustände der letzten Kriegsphase und rücken die Filmaufnahmen Filbrichs so in das richtige historische Licht.

In dieser DVD-Edition wird der 40-minütige Hauptfilm um eine Dokumentsammlung sowie zwei Zusatzfilme aus neu entdecktem Filmmaterial ergänzt. Der erste Zusatzfilm zeigt Aufnahmen des Militärarztes Dr. Alfred Bauer, die ebenfalls um 1940/41 in Hemer entstanden sind und damit eine ähnliche Lagersituation wie Filbrichs Filme präsentieren. Dieser eingeschränkte Blick wird erweitert durch amerikanisches Filmmaterial des Jahres 1945. Darauf zu sehen sind bedrückende Bilder aus vermeintlichen „concentration camps“, bei denen es sich allerdings nachweislich um Kriegsgefangenenlager des damaligen Wehrkreises VI handelte: Das Zweiglager Wesuwe im Emsland, das Stalag 326 in Stukenbrock-Senne sowie das Stalag VI F in Münster. Damit liefert insbesondere dieser Kurzfilm eine wichtige neue Perspektive – nämlich eine „Fremdsicht“ auf die Kriegsgefangenenlager des „Dritten Reiches“.

Bestellung:

Stadtarchiv Hemer, 02372/5506-288
Preis 14,90 € plus 1,50 € Versandkosten

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