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Alfred Meyer

Eine nationalsozialistische Karriere

Foto historisch, schwarz-weiß

Alfred Meyer (alle Abb. ISG)

Dr. Alfred Meyer gehörte nicht zu den in der Öffentlichkeit bekannten nationalsozialistischen Parteigrößen, dennoch war er ein einflussreicher Funktionsträger: Gauleiter, Reichsstatthalter, Oberpräsident und während des Zweiten Weltkriegs zusätzlich noch stellvertretender Minister für die besetzten Ostgebiete. Mit all diesen Tätigkeiten, die er gleichzeitig ausübte, verfügte er über eine außerordentliche Machtfülle. Bekannt wurde er durch die Teilnahme an einer Besprechung, die in die Geschichtsschreibung als Wannsee-Konferenz einging. In einer Villa am Berliner Wannsee wurde im Januar 1942 unter dem Vorsitz des Chefs des Reichssicherheitshauptamtes, Reinhard Heydrich, die Umsetzung des Judenmordes koordiniert.

Die politische Karriere dieses nationalsozialistischen Verbrechers hatte in Gelsenkirchen begonnen. Geboren wurde Alfred Meyer am 5. Oktober 1891 in Göttingen als Sohn eines königlich-preußischen Bau- und Regierungsrats. Da auch seine Mutter aus einem bildungsbürgerlichen Umfeld kam, ließ zunächst nicht darauf schließen, dass Meyers Weg in den politischen Extremismus führen würde. Seine kaiserlich-konservative Prägung ließ ihn schon vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs Offizier werden. Während des Krieges wurde er hoch dekoriert und geriet 1917 in französische Gefangenschaft, aus der er 1920 entlassen wurde. Zu spät, um wieder als Offizier in die auf 100.000 Mann begrenzte Reichswehr aufgenommen zu werden. In dieser Situation begann er ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, das er 1922 mit der Promotion abschloss. Da er kein Volljurist war, musste er sich mit einer nachrangigen Verwaltungstätigkeit auf der Gelsenkirchener Zeche Graf Bismarck zufrieden geben. In dieser Zeit begann auch seine politische Betätigung. Im April 1928 trat er in die NSDAP ein, die zu diesem Zeitpunkt keine Aussicht auf eine politische Karriere bot. Die Gründe für diesen Schritt bleiben im Dunkeln.     

Im Jahr 1925 heiratete Alfred Meyer die nur wenige Jahre jüngere Dorothee Capell, die seinetwegen ihre Karriere als Pianistin aufgab. Gemeinsam wohnten sie in der Gelsenkirchener Bismarcker Zechensiedlung. Aus der Ehe gingen fünf Töchter hervor.  

Foto historisch, schwarz-weiß

Gauleiter A. Meyer (Mitte) - Feier 10-jähriges Bestehen der Ortsgruppe Horst

Meyers nationalsozialistische Karriere ging stetig bergauf. 1929 wurde er der einzige Stadtverordnete für die NSDAP im Gelsenkirchener Rat und im Jahr darauf sogar Reichstagsabgeordneter. Nachdem der Gau Westfalen geteilt worden war, wurde Meyer 1931 Gauleiter von Westfalen-Nord und stieg damit zu einem hochrangigen Parteifunktionär auf. Weitere Ämter folgten nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Januar 1933. Im Mai des gleichen Jahres wurde er Reichsstatthalter von Lippe und Schaumburg-Lippe und 1938 erfolgte die Ernennung zum Oberpräsidenten der Provinz Westfalen.

Im Zuge des Angriffs auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurde ein neues Ministerium geschaffen, dessen Leiter der "Chefideologe" der NSDAP Alfred Rosenberg wurde. Da er Meyer schon in der Zeit als Reichstagsabgeordneter kannte, machte er ihn zu seinem Stellvertreter im neu geschaffenen Ostministerium. In dieser Funktion und als Teilnehmer an der Wannsee-Konferenz wurde er endgültig zum Schreibtischtäter und somit mitverantwortlich für Deportation, Zwangsarbeit und Judenvernichtung. 

Alfred Meyer konnte nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Im Mai 1945 wurde er bei Hessisch Oldendorf tot aufgefunden, er nahm sich das Leben.