Inhalt

"Im Exil seit der Geburt" - Leben und Werk des nach wie vor zu wenig bekannten großen Satirikers Walter Mehring - Prototyp des heimatlosen Exilschriftstellers Vortrag und Lesung von Thomas B. Schumann, Köln, mit anschließender Diskussion

Datum: 25.04.2018 19:00 Uhr
Ort: Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus", Cranger Straße 323, 45891 Gelsenkirchen

"Staatenlos im Nirgendwo, Nationalität: die Bohème, im Exil seit der Geburt im Jahr 1896" - so charakterisierte sich Walter Mehring einmal selbst. Der Dadaist, Mitarbeiter von "Sturm" und "Weltbühne" und Kabarettdichter war einer der großen Satiriker der Weimarer Republik und später des Exils. Seine neuartige Lyrik, in der dieser "Sprachkünstler ersten Ranges" Berliner Jargon und Slang, Elemente aus Schlager, Volkslied und Kinderreim sowie als Erster auch Jazzrhythmen verwendete, steht gleichrangig neben der von Tucholsky, Ringelnatz, Kästner und Brecht. Seine schonungslosen Texte entlarvten Spießertum und Nationalismus und warnten schon früh vor Antisemitismus und Rechtsextremismus. Die Piscator-Inszenierung seines Stückes "Der Kaufmann von Venedig" löste 1929 den größten Theaterskandal der Weimarer Republik aus. Im Verlauf des Exils nahmen bei Mehring die eher resignativen, melancholischen Töne in seinen Gedichten zu. Er starb 1981 vergessen und verbittert in Zürich. Zu seiner umfassenden Wiederentdeckung ist es bis heute nicht gekommen.   

Archiv