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Wissenswertes Ehemalige Synagoge Drensteinfurt

Entstehung der Gedenkstätte

Historische schwarz-weiß-Aufnahme

Die Synagoge aus der Vogelschau. Sie unterscheidet sich durch das Walmdach von den anderen Häusern.

Äußerer Anlass für die "Rettung" der Synagoge war die umstrittene Aufnahme des Gebäudes in die Denkmalliste. Der offene Brief des evangelischen Pastors und ein Bürgerantrag des Gesprächskreises der evangelischen Kirchengemeinde Drensteinfurt hatten schließlich Erfolg. Anfang 1985 beschloss der Rat der Stadt Drensteinfurt, das Gebäude anzukaufen und zu restaurieren, um es als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum nutzen zu können.

Das Westfälische Amt für Denkmalpflege befürwortete 1984 die Einstufung der Synagoge als Denkmal. Der gut erhaltene Synagogeninnenraum habe "einen so hohen Seltenheitswert", dass er anderen bedeutenden Kulturdenkmälern an die Seite zu stellen sei. Nach einem längeren Rechtsstreit mit dem Käufer der Synagoge, der diese 1984 erworben hatte, wurde die Stadt Drensteinfurt 1988 schließlich Eigentümerin des Gebäudes. Allerdings war 1987 von Unbekannten die Brüstung der Frauenempore abgebaut und gestohlen worden. Bislang konnten die Täter nicht ermittelt werden.

Im Januar 1988 erhielt Sabine Omland, Mitglied des Gesprächskreises der evangelischen Kirchengemeinde, einen schriftlichen Bericht der in Israel lebenden ehemaligen Drensteinfurterin Herta Herschcowitsch über ihre Deportation und ihren Leidensweg durch die Vernichtungslager der Nationalsozialisten im Osten.

Der Bericht, der auszugsweise auch in der Tagespresse veröffentlicht wurde, brachte wesentliche Erkenntnisse über die Situation der jüdischen Bürger Drensteinfurts während der Zeit des Nationalsozialismus. Weitere Forschungsergebnisse durch Zeitzeugenbefragungen und Aktenstudien, die am 9. November 1988 in einem Vortrag dargestellt wurden, weckten in Drensteinfurt das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit an der Geschichte der ehemaligen jüdischen Einwohner und ihrer Synagoge.

Der Gesprächskreis besuchte 1989 verschiedene restaurierte Synagogen, um sich über deren Nutzungsmöglichkeiten zu informieren. In Issum konnten der Gesprächskreis und Ratsmitglieder eine Landsynagoge besichtigen, die in Größe und Nutzungsmöglichkeiten der Drensteinfurter sehr ähnlich ist.

Im Jahr 1990 gründeten Mitglieder des Gesprächskreises den "Förderverein Alte Synagoge Drensteinfurt". Er machte es sich zur Aufgabe, ein Nutzungskonzept für die ehemalige Synagoge zu entwerfen und die Stadt Drensteinfurt bei seiner Umsetzung organisatorisch und inhaltlich zu unterstützen: Führungen, Vorträge, Ausstellungen, Kontakte zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern, Aufarbeitung ihrer Geschichte.

Ebenfalls im Jahr 1990 begannen die Arbeiten zur Außensanierung des Gebäudes. Dabei bereitete die aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk besondere Probleme. Eine "sanfte" Restaurierung garantierte schließlich den Erhalt des bisherigen Erscheinungsbildes.

Vor dem Beginn der Innenrestaurierung wurde eine gründliche Bestandsaufnahme durchgeführt. Durch sorgfältiges Abtragen aller Farbschichten konnte der Originalzustand im Jahre der Erbauung rekonstruiert werden.

Bei Nachforschungen im Jerusalemer Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Yad Vashem konnte Sabine Omland im April 1992 das tatsächliche Baujahr der Drensteinfurter Synagoge feststellen. Nach einem zeitgenössischen Bericht im "Israelit" über die Einweihung der Drensteinfurter Synagoge fand diese am 6. Juli 1872 und nicht wie bisher angenommen im Jahr 1874 statt.

Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten wurde die ehemalige Synagoge am 9. November 1992, also 120 Jahre nach ihrer Einweihung, wieder eröffnet. An der Feierstunde nahmen der Landesrabbiner Dov-Levy Barsilay und der NRW-Innenminister Herbert Schnoor teil. Der Hammer Historiker Prof. Dr. Aschoff hielt den Festvortrag.

Im Jahr 1995 wurde der gesamte Bereich um die einstige Synagoge in eine Denkmalbereichssatzung aufgenommen, um die für eine Landsynagoge typische Umgebungsbebauung zu erhalten. Heute finden in der ehemaligen Synagoge kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Vorträge und Ausstellungen sowie Führungen statt. Auch wenn das Gebäude seine ursprüngliche Bestimmung nicht mehr erfüllt, so ist es doch ein Ort, an dem ein Teil der einstigen jüdischen Kultur in Westfalen sichtbar und erfahrbar wird.