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Zivilcourage und Menschlichkeit Ahlener Schüler erzählen, wie mutige Menschen Juden vor der Deportation

Verfasst am 12. November 2007

DRENSTEINFURT Etwa 130 Zuschauer verfolgten am Freitagabend die Aufführung der Theater-Filmcollage des Stückes „Vom Ende einer langen Nacht“. Die Theater-AG „Schlussklappe“ des Ahlener St.-Michael-Gymnasiums inszenierte Imo Moszkowicz Drehbuch in der Aula der Städtischen Realschule. Das Stück „Vom Ende einer langen Nacht“ erzählt von der Judenverfolgung während des Zweiten Weltkrieges. Zwischen Werne und Herbern wurde die Familie des jüdischen Pferdehändlers Menne Spiegel aus Ahlen in der Zeit von 1943 bis 1945 von fünf verschiedenen Bauernfamilien der Gegend vor der Deportation gerettet. Die Darsteller der „Schlussklappe“ belebten diese mutige Tat der Bauern und eines Kapuziner-Mönchs, der besonders an der Rettung beteiligt war, um das hohe Maß an Menschlichkeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Das Datum der Vorführung war bewusst gewählt. Gregor Stiefel, Leiter des Kulturamtes der Stadt Drensteinfurt, sprach in der Aula der Realschule einführende Worte. Er wies auf die bewusste Wahl des Datums in Gedenken an die Reichspogromnacht 1938 hin. Am 9. November brannten in Deutschland die Synagogen. Das Schauspiel begeisterte durch die spezielle Inszenierung und die exzentrischen Besonderheiten: So wurde zu Beginn des Schauspiels ein Haftbefehl vorgelesen, und einzelne Zuschauer wurden direkt als „verhaftet“ angesprochen. Während eines live am Klavier vorgespielten Chorals von Bach „Nun danket alle Gott“, schritt ein „Gerichtsdiener“ durch die Zuschauerreihen und trug eine Montage aus NS-Zitaten sowie Ausschnitte von Himmlers „Posener Rede“ vor. Besonders die Zusammensetzung von aufwändig gefilmten Sequenzen, die auf einer Leinwand im Hintergrund der Bühne abgespielt wurden, und live auf der Bühne gespielten Szenen führte zu dem anhaltenden Applaus, den die Darsteller nach der Schlussszene ernteten. Eine Zeitzeugin half bei Umsetzung des Drehbuchs. Zum Abschluss der sechsten und letzten Aufführung des Stückes bedankte sich Dietmar Hecht, Leiter des Literaturkurses an dem Ahlener Gymnasium, stellvertretend für das Team der „Schlussklappe“ bei Ehrengast Anni Richter. Anni Richter ist Mitglied der Bauernfamilie Aschoff, eine der Retterfamilien. Sie hatte der„Schlussklappe“ durch Berichte über den Zeitraum 1943 bis 1945 bei der Produktion geholfen. Ein besonderer Dank ging auch an Imo Moszkowicz, der der Theater-AG sein Drehbuch „Vom Ende einer langen Nacht“ zur Verfügung gestellt hatte und die Umsetzung des Stückes in dieser Form erst ermöglichte. Im anschließenden Gespräch mit den Zuschauern berichteten die Darsteller und Mitwirkenden von den Schwierigkeiten, die in der Produktion auftraten. Insgesamt wurde zwei Jahre lang an der Ausarbeitung und Verfilmung des Stückes gearbeitet. Allein für die zwanzigminütige Filmsequenz musste monatelang gefilmt werden. „Doch die tolle Resonanz entschädigt für den enormen Aufwand“, so Hecht. Cpl

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