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Zivilcourage, Humanität und Solidarität Die Ausstellung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus – in Münster und im Münsterland“ ist am Sonntagmorgen eröffnet worden.

Verfasst am 29. November 2012

Großes Interesse zeigten die Drensteinfurter Bürger am Sonntagmorgen an der frisch eröffnete Ausstellung in der ehemalige Synagoge. Viel Platz war in dem kleinen Raum nicht mehr, als Dr. Kurt Omland die Anwesenden begrüßte. Auch Bürgermeister Paul Berlage war gekommen, um einen Blick auf die 18 Tafeln zu werden. Die Ausstellung handelt vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Münster und im Münsterland.

„Es geht um den Widerstand im Kleinen“, erläuterte Kurt Omland, also nicht um große Putschversuche, sondern um jenen, der durch „selbstverständliche Menschlichkeit und persönliche Zivilcourage“ gekennzeichnet sei. Von der verbotenen Lebensmittelversorgung der Juden bis hin zur Wehrdienstverweigerung aufgrund religiöser oder politischer Einstellungen. Der Widerstand habe immer wieder einen Weg gefunden.

Omland wies zudem auf ein Exponat hin, das nur hier vor Ort zu sehen sei und ansonsten nicht zur Ausstellung gehöre. Die Kurzbiografie von Dr. Ludwig Metzger, den wohl viele ältere Drensteinfurter noch gut im Gedächtnis haben, soll einen lokalen Bezug herstellen. Metzger hat in der Pogromnacht 1938 die Familie Terhoch vor weiterer Verfolgung geschützt und ihr ärztliche Hilfe geleistet.

Kurt Omland gab das Wort an Matthias M. Ester, Mitglied des Ausstellungsteams der „Villa ten Hompel“ aus Münster, weiter. Ester berichtete zunächst über die Entstehung der Ausstellung im Rahmen des 50-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen Münster und Orléans. Drensteinfurt sei bereits der neunte Ort im Münsterland, an dem die Ausstellung zu sehen sei. Da es bereits Anfragen bis zum Jahr 2014 gebe, scheine das Interesse von Seiten der Städte sehr groß zu sein.

Matthias M. Ester machte deutlich, dass es bei dieser Ausstellung um „die individuelle Handlungsfähigkeit und um Zivilcourage im alltäglichen Leben“ gehe. Er erklärte, dass es hier um die kleinen Widerstände und nicht um die Heroisierung von Menschen gehe. Es waren „Kirchen, Schulen, Bauern- und Nachbarschaften“, die eine ganze Bandbreite von unterschiedlichen Verhaltensweisen aufgezeigt hätten. Ester berichtete: „Es geht nicht nur um den Widerstand gegen die Staatsgewalt, sondern auch gegen den Ausschluss von Menschen und gegen die arische Volksgemeinschaft.“

Um jedoch erfolgreich Widerstand zu leisten, sei es wichtig gewesen, in Netzwerken und in Gruppen zu agieren. Zudem müsse, so Matthias M. Ester, immer beachtet werden, wann die jeweiligen Widerstandsaktionen stattgefunden hätten. „Der Zeitpunkt entscheidet über das Risiko“, fügte er hinzu.

Zusammenfassend sagte der Mitarbeiter der „Villa den Hompel“, dass „Widerstand nicht immer aus einer antinationalsozialistischen Einstellung heraus kommen musste“, sondern häufig lediglich Ergebnis von Humanität und Solidarität war. „Es kommt darauf an, zu handeln. Und das wollten wir hier zeigen“, verdeutlichte der Historiker.

Quelle: WN (Anna Spliethoff)

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