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Zeichen gegen das Vergessen Sieben „Stolpersteine" zur Erinnerung an die ermordeten jüdischen Bürger Drensteinfurts verlegt

Verfasst am 11. Dezember 2008

-ani- Drensteinfurt. Dass es zum Erinnern nicht nur geistiger Anstrengungen, sondern mitunter auch eines körperlichen Kraftaktes bedarf, zeigte der Kölner Künstler Gunter Demnig gestern Morgen an Hammer Straße und Südwall. Mit Hammer, Meißel und Muskelkraft riss der Mann mit dem olivfarbenen Hut das gepflegte Pflaster auf, ächzte, schwitzte trotz der Kälte und stieß seine Maurerkelle tief in den sandigen Untergrund. Es dauerte eine ganze Weile, ehe Demnig Platz geschaffen hatte für seine „Stolpersteine", die er mit Mörtel, Wasser und Splitt in die Drensteinfurter Gehwege zementierte.

Stolpersteine, das sind auf den ersten Blick unscheinbare Betonwürfel mit kleinen Gedenktafeln aus poliertem Messing, in die Namen, Geburts- und Sterbedaten von Opfern der NS-Diktatur eingeschlagen sind. Kleine Zeichen gegen das Vergessen nur, aber welche, die von großer Dauer sind. Jahrzehnte lang können sie Hinweise darauf geben, dass an den Orten, an denen sie verlegt sind, einmal Menschen gelebt haben, die von den Nationalsozialisten ermordet worden sind.

Sieben dieser inzwischen bundesweit bekannten Gedenktafeln verlegte Gunter Demnig in Drensteinfurt. Sie erinnern an Johanna Salomon, ihre Töchter Frieda und Jenny sowie deren Ehemann Rudolf Seelig und an Siegmund Salomon, sein Frau Else und ihre Tochter Fanny Irma.

Die Messingtafeln schließen eine Erinnerungslücke – auch in Drensteinfurt, wo bislang wenig bis gar nichts von den ehemaligen Wohnstätten der jüdischen Mitbürger zeugte, die den Holocaust nicht überlebten. Bereits kurz nach Kriegsende wurde das Haus von Siegmund Salomon am Südwall 5 abgerissen. Heute steht dort ein schmucker Neubau. Das Wohn- und Geschäftshaus der Johanna Salomon musste in den 60-er Jahren der Verbreiterung der Hammer Straße Platz machen. An seiner Stelle befindet sich heute ein Biergarten.

Initiiert worden war die Aktion vom Förderverein „Alte Synagoge" und der Schulkonferenz der Städtischen Realschule, denen es ein Anliegen ist, das Gedenken an die ermordeten Juden aus Drensteinfurt aufrechtzuerhalten. Sieben Paten – einzelne Bürger, Eheleute und die Klasse 10 b der Realschule – hatten die Kosten für die Verlegung der Steine übernommen, und das Leben der einzelnen Holocaust-Opfer aufgearbeitet.

„Ich freue mich sehr, dass es jetzt wenigstens ein kleines Zeichen der Erinnerung an Rudolf Seelig gibt", sagte Heinrich Angenendt, der gemeinsam mit seiner Frau Waltraud eine Patenschaft übernommen hat. „Sonst gibt es kaum noch Spuren von seinem Leben, nicht einmal ein Foto ist mehr da."

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