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Ruhestätte saniert Jüdischer Friedhof für 17 500 Euro instand gesetzt

Verfasst am 13. September 2008

DRENSTEINFURT „Es berührt mich zu sehen, wie gut und wie schnell dieser Friedhof saniert wurde.“ Günther Terhoch war sichtlich gerührt und voll des Lobes, als er gestern erstmals das Ergebnis der Restaurierungsarbeiten des jüdischen Friedhofs in Augenschein nahm. Alle 26 erhaltenen Grabstätten des 1826 angelegten Grabfeldes sind von Pflanzenbewuchs, Rissen und anderen schwerwiegenden Verwitterungsschäden befreit. „Ich wünsche mir, dass noch mehr jüdische Friedhöfe so instand gesetzt werden wie dieser in Drensteinfurt“, so Terhoch.

Für insgesamt 17500 Euro wurde das Grabfeld im vergangenen Jahr auwändig hergerichtet. 60 Prozent davon wurden vom Land finanziert. “Es war erschreckend, wie sehr die Verwitterung in den vergangenen 18 Jahren voran geschritten ist“, sagt Sabine Omland vom Synagogenverein. 1990 hatte sie den Zustand der Grabsteine fotografisch dokumentiert. Vier der Steine sind nicht mehr zuzuordnen, weil die Inschriften nicht mehr lesbar sind.

Feuchtigkeit, Umwelteinflüsse und Kälte hatten die Ruhestätte in einen „bedenklichen Erhaltungszustand gebracht, so urteilte ein Gutachten aus dem Jahre 2006 über die Grabsteine. So galt es unter anderem, klaffende Fugen und Fundamentsenkungen zu beseitigen. „Bei Ausbesserungsarbeiten in den 1950er Jahren sind Steine mit Zement gekittet oder mit Eisendübeln befestigt worden“, sagt Diplom-Restaurator Thomas Lehmkuhl. Diese Maßnahmen hätten zusätzliche Schäden verursacht, die ebenfalls überarbeitet werden mussten, so der Experte. Die Maßgabe sei es gewesen, die ursprüngliche Natursteinsubstanz weitestgehend zu erhalten. „Auch mit Blicke auf den jüdischen Glauben geng es hier darum, eher zu konservieren als zu restaurieren“, sagt Lehmkuhl. So blieben die Inschriften auf den Denkmälern unberührt. Ungünstige Wetterbedingungen hatten die Arbeiten verlangsamt. Normalerweise dauert die Arbeit an einem Friedhof wie diesem zwölf Wochen. Wir sind immer wieder durch lange Regenperioden unterbrochen worden“, so Lehmkuhl. Eine zusätzliche Herausforderung stellten die zahlreichen unterschiedlichen Materialien dar, aus denen die Grabsteine gefertigt sind. Die Palette reichte von verschiedenen Sandsteinmischungen bis hin zu Kalkstein. Mittels Kieselsäureester wurden die Natursteinoberflächen gefestigt. Bei entsprechender Pflege, so schätzt Lehmkuhl, werden erst in 15 Jahren wieder Instandsetzungen nötig sein. In den 1930er Jahren und während der Nazi-Diktatur war die Ruhestätte mehrmals verwüstet und zahlreiche Grabsteine waren entwendet worden.

„Mit der Restaurierung werden wir unserer besonderen Verantwortung für unsere Geschichte gerecht“, meint Paul Berlage. pa

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